Helden der Unterklasse (73)

Der Jens Lehmann von Hiesfeld

Ein Phantom treibt sein Unwesen und sagt Fußballspiele ab. Auch deshalb leben fußballschauende Eltern in Angst. Können nur helfen: die »Helden der Unterklasse«.

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Der Absager von Wersten

Mittwochabend, Bezirkssportanlage Benrath. Es ist alles angerichtet für das Kreispokal-Derby zwischen dem Landesligisten VfL Benrath und dem A-Ligisten SV Wersten 04. Beide Mannschaften sind da, Flutlicht schafft einen Hauch von Europapokalatmosphäre und das Bier steht kalt, da macht ein Gerücht die Runde: »Das Spiel ist abgesagt!« Und tatsächlich war das Spiel abgesagt - Begründung: Die Gäste aus Wersten würden nicht antreten. Blöderweise saßen diese aber schon umgezogen in der Kabine. Den Gästen war sofort klar: Er hat wieder zugeschlagen.

Der Absager von Wersten ist Wiederholungstäter. Er agiert aus dem Untergrund, seine Fähigkeiten erwarb er in jahrelangem Telefonscherztraining. Doch irgendwann nahm der ortsansässige Pizzaservice keine Großbestellungen mehr für seine Nachbarn an und nach dem zehnten Anruf im Frisörsalon war auch ihm bewusst, dass dort keiner Reinsch oder Dünnsch heißt. Er fand ein neues Opfer: den SV Wersten 04. Es ist mittlerweile die dritte Absage der Mannschaft aus dem beschaulichen Düsseldorfer Stadtteil. Dieses Mal hatte sich der unbekannte Anrufer am Nachmittag bei Pokal-Spielleiter Peter Landgräber als Werstener Vereinsoffizieller ausgegeben und abgesagt. Aus diesem Grund reiste zunächst auch kein Schiedsrichter an. Erst mit einer Stunde Verspätung konnte die Partie angepfiffen werden. »Es wundert mich schon sehr, wie einfach das offenbar geht«, sagte der Benrather Trainer Frank Stoffels nach dem Spiel. Uns ehrlich gesagt auch.

»Einen wie dich können wir immer gebrauchen«

Wenn Eltern ein Spiel der eigenen Kinder beobachten, haben sie Angst. Weniger, weil sich der Nachwuchs verletzen könnte, sondern weil die Vereinsverantwortlichen auf der Suche sind. Auf der Suche nach Spielermaterial für die zweite, dritte und auch Altherrenmannschaft. Michael Thurk, vorrangig bekannt aus seiner Zeit in Mainz und in Augsburg, trainiert beim Augsburger Vorortklub FC Stätzling die E-Jugend, in der sein Sohn spielt. Natürlich lässt man einen ehemaligen Bundesligaspieler nicht einfach an der Seitenlinie stehen, ohne ihn nicht mindestens einmal zu sagen: »Einen wie dich können wir immer gebrauchen.« Und so hat Thurk jetzt wieder einen Spielerpass. Stätzlings Sportlicher Leiter Michael Baumann stellt aber klar: »Wir wollen mit der Zweiten unbedingt die Klasse halten, da wäre die Unterstützung von Michael Thurk natürlich Gold wert.« Klar.