Helden der Unterklasse (71)

Ryan Giggs spielt Kreisliga

Eltern, die sich bei einem F-Jugend-Turnier prügeln, ein vermeintlicher Superstar in der Kreisliga und der erste Amateurklub mit einer eigenen E-Sports-Abteilung - alles dabei diese Woche bei den »Helden der Unterklasse.«

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Ryan Giggs spielt Kreisliga A
23 Jahre beeindruckte der walisische Superstar die Massen in und außerhalb des Old Traffords. Inzwischen betreut er die Nationalmannschaft von Wales und könnte wahrscheinlich selbst noch so manch perfekte Flanke reinschlagen. Die Verteidiger in der Kreisliga A im Schwarzwald können aber aufatmen: Ryan Giggs wechselt nicht zum TuS Oberbaldigen - zumindest nicht dieser. Auch wenn sie den gleichen Namen tragen, so ist der 18-Jährige Kameruner vielleicht nicht der nächste Superstar im europäischen Fußball, aber laut Trainer Bernd Stern »ein technisch starker Kicker, mit gutem Auge für den Mitspieler.« Also ganz der alte Ryan.

»Dann können wir solche Turniere eben nicht mehr machen.«
Bei Jugendspielen geht es meist hoch her - nur eben nicht auf dem Platz, sondern daneben. Da sehen überambitionierte Eltern in ihrem Nachwuchs den neuen Messi oder wollen nach zwei, drei Pils dem Schiedsrichter an den Kragen. Bei der F-Jugend-Hallenkreismeisterschaft im sächsischen Oschatz eskalierte die Lage derart, dass ein Mitglied des Jugendausschusses des Nordsächsischen Fußballverbandes von zwei Männern verprügelt wurde. Er wollte vorher eine Frau der Halle verweisen, die den Schiedsrichter beleidigt hatte. Der Verbandspräsident Wolfgang Patitz zeigte sich enttäuscht:  »Verbale Ausfälle hat es beim Fußball immer gegeben und wird es immer geben. Gerade Eltern sind sehr emotional, aber so weit sollte sich niemand herablassen. Was sind denn das für Vorbilder für die Kinder?« Überengagierte Eltern sind definitiv die Anti-Helden der Unterklasse.

Erster Amateurklub mit eigener E-Sports-Abteilung
Als Marketingmitarbeiter eines professionellen Fußballklubs hat man es nicht leicht. Früher tingelte man noch über die Dörfer, um eine dahergelaufene Thekenauswahl schwindelig zu spielen, jetzt muss es schon eine Thekenmannschaft aus China sein. Irgendwann kam mal jemand auf die Idee, dass man doch auch die kaufkräftigen Nerds für sich gewinnen müsste. Man gründete also eine E-Sports-Mannschaft, mit der sich mittlerweile der ein oder andere Bundesligist schmückt. Der 1. FC Germania Egestorf/Langreder gehört nun nicht unbedingt zur deutschen Fußballelite, hält sich aber schon seit zwei Jahren in der Regionalliga Nord. Fabian Miszczyk, Initiator der Idee, hat ehrgeizige Ziele: »Das soll schon ein leistungsorientiertes Projekt werden. Auf lange Sicht wollen wir erfahrene Profis an Bord holen und auch national konkurrenzfähig sein.« Mehr als 30 Bewerbungen hat der Verein schon bekommen.

Trikotnummer 73, aber nicht 1973 geboren
Die 73, da denkt selbst der Fußballfan an Handballer Stefan Kretzschmar. Warum er diese Nummer trug, sollte nicht schwer zu erraten sein: Er ist Jahrgang 1973. Kaan Aygün vom FC Ismaning trägt auch die 73 nach seinem Wechsel in die Türkei, aber aus anderen Gründen: »Ich bin im Münchner Bezirk Berg am Laim aufgewachsen. Die Postleitzahl dort endet auf 73 (81673). Deshalb habe ich mich für diese Trikotnummer entschieden.« Da kommt man sofort drauf. Zudem trägt er wohl auch immer hellblaue Schnürsenkel, weil das die Lieblingsfarbe seiner Großtante dritten Grades war.

Ex-Profi wird Trainer in Verbandsliga
Nach dem bitteren Abstieg von 1860 im vergangen Jahr zerstreute sich die Mannschaft wie ein Abiturjahrgang nach dem Abschlussball. Karim Matmour ging klischeegetreu nach Australien - fußballerisches Work-and-Travel. Jetzt ist er wieder da als Co-Trainer des Kehler FV in der Verbandsliga Südbaden. Zu seiner Zeit in Australien sagt er nur kurz und knapp: »Amazing!«