Helden der Unterklasse (70)

»Immer einen Pass im Ärmel!«

Zwei ehemalige Bundesligaspieler in der Bezirksliga. Ein Trainer wird für fünf Jahre gesperrt und ein 52-Jähriger muss plötzlich zwischen die Pfosten. Das sind die »Helden der Unterklasse«.

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Immer einen Pass im Ärmel

Das größte Gut eines Amateurtrainers ist nicht etwa eine gleichbleibend hohe Trainingsbeteiligung oder eine Mannschaft, die auch nach dem Dorffest pflichtbewusst zum Spielbeginn erscheint. Nein, was man als Trainer in der Kreisliga wirklich braucht: eine reichhaltige Spielerpassmappe. In dieser Mappe findet sich nicht nur der alte Veteran, die schon seit fünf Jahren die Fußballschule an den Nagel gehangen hat, sondern auch der vielversprechende A-Jugendliche, der ein Spiel in der Zweiten gemacht hat, aber schon seit fünf Jahren in Berlin studiert und seitdem nie wieder gesehen wurde. Ausnahmslos jeder Trainer hat immer noch einen Pass im Ärmel. So auch der Trainer vom Duisburger FV 08 Canip Yülmaztürk, der schrieb an einem Spieltag den B-Jugendlichen Seyman Ömer Celik aufs Protokoll. Blöd nur, dass dieser am Montag darauf in der Schule auf seine Tätlichkeit und die resultierende lange Sperre angesprochen wurde, sich aber nicht erinnert konnte, überhaupt in der Nähe des Stadions gewesen zu sein, geschweige denn in dieser Saison auch nur einmal trainiert zu haben. Klarer Fall von Karteileiche in der Passmappe - der Joker unter den Pässen. Vielleicht hätte Trainer Yülmaztürk den tatsächlich eingesetzten Spieler ein wenig zur Mäßigung rufen sollen, dann wäre der Schwindel nie aufgeflogen, doch so muss sich der Trainer des Duisburger FV 08 reumütig zeigen: »Ich nehme die Scheiße auf meine Kappe!« Die Strafe ist dennoch happig: fünf Jahre Sperre. Da muss sein geschätzt 51-köpfiger Spielerkader eine ganze Weile ohne den Trainer auskommen.

Trainer-Duo wechselt sich selbst ein

Die Vereinsgeschichte des Rheydter SV ist turbulent. In den 90er Jahren kratzte der Klub mal an der zweiten Liga und wurde anschließend kontinuierlich runtergereicht. Bis zwei Ex-Profis das Ruder übernahmen. Rene Schnitzler, bekannt aus seiner Zeit beim FC St. Pauli, heuerte bereits 2013 als Spieler bei seinem Jugendverein wieder an - 2014 überzeugte er auch Lawrence Aidoo (früher: Gladbach, Nürnberg, Cottbus) vom Amateurfußball. Dabei lief es sportlich erstmal nicht so rosig. In den Saisons 2013/2014 und 2014/2015 stieg der RSV zweimal in Folge ab. Doch dann übernahmen die beiden Ex-Profis die Trainerposition. Jetzt stehen sie an der Spitze der Bezirksliga Niederrhein und peilen den Aufstieg in die Landesliga an. Klarer Fall von: »Die haben doch mal höherklassig gespielt!«

»Achtung! Der Chef schaut zu.«

Ob Bundesliga oder Kreisliga, Co-Trainer leiden bisweilen unter Autoritätsproblemen. Das Freundschaftsspiel der SG Unterrath gegen den SV 09/35 Wermelskirchen am vergangenen Wochenende war ein Beispiel dafür, denn bis zu 79. Minute stand es unter der Leitung des Unterrather Co-Trainers noch 0:2. Dann traf Chefrainer Vilson Gegic ein und das Spiel wurde binnen dreizehn Minuten auf 4:2 gedreht. Sich seiner eigenen Wirkung bewusst, sagte Gegic nach der Partie im fussball.de-Interview: »Mein Co-Trainer hatte mir am Telefon schon gesagt, dass die Jungs nur Schönwetterfußball spielen.«