Helden der Unterklasse (6)

Rivaldo verkauft seinen Verein - via Instagram

1500 Spiele am Stück

Allesfahrer im wahrsten Sinne des Wortes gibt es immer wieder. Und immer wieder rühren sie an der Hauptschlagader unserer Fußballromantik. Hier die Frau, die seit 20 Jahren kein Spiel des 1.FC Köln verpasst hat, dort der Nottingham-Fan, der sogar über 40 Jahre lang jedes Spiel seines Vereins besuchte. Auch Jeff Young kann auf eine ähnlich stolze Historie verweisen. Und das, obwohl sein Lieblingsverein in der siebten Liga kickt. Und wäre da nicht dieser verdammte 14. Januar 1987 gewesen, Jeff Young hätte sie vielleicht alle in den Schatten gestellt.

Die Blythe Spartans sind sein Verein, von Kindesbein an. So richtig packte ihn die Liebe zur »Green Army«, wie der Klub aus dem Norden Englands auch genannt wird, in der Saison 1977/78. Acht FA-Cup-Qualifikationsspiele in Folge gewannen sie damals. Dann ging es im Spiel gegen Wrexham um das ganz große Los - in der nächsten Runde würde der FC Arsenal warten. Doch im nahe gelegenen St. James’ Park von Newcastle United setzte es vor über 42.000 Zuschauer eine Niederlage. Jeff Young kam trotzdem wieder und wieder und wieder. Spiel für Spiel. Auswärts wie daheim. Bis zu eben jenem 14. Januar 1987. Erneut war es ein Pokalspiel, diesmal jedoch nicht im benachbarten Newcastle, sondern im 500 Kilometer entfernten Bath. Bis zum Nachmittag jenes Tages hoffte Young noch, dass ihn jemand im Auto mitnehmen würde. Doch Fehlanzeige. Dieses Spiel würde ohne ihn stattfinden.

Seither allerdings hat er keine Partie mehr verpasst. 1507 Begegnungen am Stück. Inzwischen arbeitet er sogar als Gerätewart für den Verein, der sein Leben ist. Und der Klub schickt sich an, im FA-Cup abermals für Furore zu sorgen. In der zweiten Runde gelang am Wochenende ein 2:1-Sieg beim Viertligisten Hartlepool United. Den Schmerz über das verpasste Spiel vom 15. Januar 1987 wird dieser Erfolg jedoch nicht getilgt haben. Auch weil er damals nach besagtem Spiel einen Freund in der Stadt traf, der ihn fragte: »Warum warst Du nicht beim Spiel in Bath? Wir hatten noch einen Platz im Auto.«

Wolle Verein kaufe?

Rivaldo. Weltfußballer des Jahres 1999, Weltmeister 2002 und seit 2008 Präsident des Mogi Mirim Esporte Club. Der Verein ist stolzes Mitglied der Campeonato Paulista, der ältesten Liga Brasiliens, und trägt seine Heimspiele in einem Stadion aus, welches Rivaldo nach seinem Vater benannt hat - »Romildo Vitor Gomes Ferreira«. Es könnte also alles so schön sein, doch offenbar hat Rivaldo den Spaß verloren an dem Verein, für den er schon als 21-Jähriger kickte und nochmals 2011, als er schon sein eigener Präsident war. Vielleicht verstehen wir aber auch nur seine Botschaft falsch, die er jetzt ganz stilecht via Instagram in die Welt sendete: »Ich, Rivaldo, derzeit Präsident des Mogi Mirim Esporte Club, habe aus besonderen Gründen beschlossen, für den Verein Ausschau nach neuen Investoren zu halten.« Interessenten sollen ihr Angebot doch bitte an die folgende Adresse richten: mmecinvest@gmail.com

Na dann: Wir, 11FREUNDE, derzeit Präsident unseres eigenen Fanclubs, haben aus keinerlei besonderen Gründen beschlossen, für den Mogi Mirim Esporte Club Interesse anzumelden. Wir bieten einen Pappaufsteller von Lothar Matthäus (leicht ramponiert), unser Sparschwein in Form des Herbert-Awards (leicht ramponiert) und die sicheren Hände von Oliver Kahn. Bei Interesse schreiben sie uns doch bitte an siebenzueins@11freunde.de



Bauer sucht Durchfahrt

In der vergangenen Woche berichteten wir an dieser Stelle von einem französischen Bauern und Torhüter, der seinen Posten räumte, als ihn mitten im Spiel die frohe Kunde einer nahenden Kalbsgeburt erreichte. In der Not des Moments gab daraufhin der 61 Jahre alte Präsident des Vereins den Torwart - die Mannschaft unterlag mit 0:20. Dabei wäre die Situation wesentlich geschickter zu lösen gewesen. Man hätte sich nur ein Beispiel nehmen müssen am Spiel des TV Braach gegen die SG Haselgrund. Dort kam es vor einigen Wochen beim Duell in der Kreisliga B2, Hersfeld/Hünfeld zu einer Spielunterbrechung, als sich ein Landwirt mitsamt seines Gefährts vor das Tor der Gästemannschaft stellte (siehe Titelbild des Artikels). Er wolle seinen Platz erst wieder räumen, wenn die auf der Straße neben dem Sportplatz parkenden Autos den Weg für ihn freigeben würden. Nach einigem Hin und Her beugte sich das Publikum dem überdimensionierten Flitzer, der schließlich seiner Wege tuckerte. Das Spiel endete wenig überraschend torlos. Oder wie Leser Tobias Strube, dem wir diese Einsendung verdanken, schreibt: »Endlich stand im Tor der Gästemannschaft mal eine richtige ›Maschine‹«.