Helden der Unterklasse (6)

Was Du am Wochenende alles verpasst hast

Ein Trak-Tor, eine Liga, in der (fast) jeder aufsteigen kann, weil (fast) niemand aufsteigen darf und Rivaldos merkwürdiges Geschäftsgebaren. Hier kommt alles, was du am Wochenende in der Fußballwelt verpasst hast. 

Tobias Strube

»Pele« Wollitz an den Zapfhahn?

Claus-Dieter »Pele« Wollitz hat in seiner Laufbahn als Spieler und Trainer schon so einiges mitgemacht. Er hat seine Karriere bei der SpVg Brakel begonnen, beim VfL Osnabrück Klartext geredet (»Weil ich ein Gerechtigkeitsfanatiker bin!«) und es leichter Hand geschafft, aus den Krefelder Vereinsannalen getilgt zu werden. Am Wochenende ist er nun als Trainer bei Viktoria Köln entlassen worden. Nach nur vier Punkten aus den letzten acht Spielen stürzte die als klarer Aufstiegskandidat gehandelte Viktoria auf einen enttäuschenden sechsten Tabellenplatz in der Regionalliga West. Die Vereinsführung sah sich zum Handeln gezwungen und reagierte auf kölsche Art. So erklärte Viktorias Präsident Günter Pütz dem »Express«, er habe von der Entlassung des Trainers lediglich via Mailbox erfahren: »Mir war bekannt, dass wir das Gladbach-Spiel noch abwarten wollten. Nun ist er also weg. Wenn man ehrlich ist, hatten wir auch keine Argumente mehr…«

Doch ein Mann vom Schlage eines »Pele« Wollitz muss nicht lange auf das nächste Job-Angebot warten. Der TSV Wallenhorst erkannte die sich bietende Chance umgehend und bot Wollitz einen Posten als Chef an. Als Chef-Wirt wohlgemerkt. So sagte Wallenhorsts Präsident Brüwer gegenüber »fupa.net«: »Der hat von Fußball keine Ahnung. In der Verantwortung gegenüber den Fans und Sponsoren konnten wir ihm kein Amt im sportlichen Bereich anbieten. Deswegen der Kompromiss mit der Theke. Weil wir Gerechtigkeitsfanatiker sind!« Eine Reaktion von Wollitz steht noch aus.

Der weiße Brasilianer und das Krippenspiel

Er floh über Autodächer vor der Polizei, revolutionierte den Anrufbeantworter (»Ich bin bis morgens um 5 Uhr in meiner Stammkneipe zu erreichen.«) und ließ sich kurz vor Ende seines Abschiedsspiels eine symbolische rote Karte zeigen. Ansgar Brinkmann, der eigentlich lieber »50 Länderspiele als 50 Anekdoten« zählen wollen würde, hatte vor allem auch abseits des Platzes immer etwas zu bieten. Und auch heute, da seine Tore längst nur noch als graue Ahnung nachhallen, schreibt sein Lebenswandel weiter muntere Geschichten. Das jüngste Kapitel - eine Weihnachtsgeschichte, Brinkmann-Style.

Für das Projekt »Comedy goes X-mas« in der Frankfurter Jahrhunderthalle sollte der »weiße Brasilianer« in einem Krippenspiel den Josef geben. Doch vom Proben hielt Brinkmann offenbar so wenig wie seinerzeit vom Training. Ein unhaltbarer Zustand fand Veranstalter Bernd Reisig und zeigte Brinkmann in dessen Abwesenheit die rote Karte. Die für ihre Fürsorge bekannte »Bild«-Zeitung machte sich daraufhin auf die Suche und erreichte tatsächlich eine Stellungnahme des verhinderten Schauspielers: »Ach so. Jetzt weiß ich auch, welcher Bernd mir ständig SMS geschrieben hat.« Sprach es und lederte die selbst gegebene Vorlage über die Schlagzeilen-Linie: »Den Josef, den braucht doch kein Mensch!« Und auch wenn diese jüngste Brinkmann-Anekdote nach PR-Coup müffelt und sicher nicht die beste seines reichhaltigen Oeuvres ist, muss man Brinkmann einfach dafür lieben, nicht aufzuhören, sie anzuhäufen, die Anekdoten. Und wer wollte es ihm auch verübeln? Länderspiele kommen schließlich ganz sicher keine mehr.

Das komplizierteste Aufstiegsrennen der Welt

Die deutsche Meisterschaft? Längst entschieden. Die EM-Qualifikation? Ein Kunststück, sie nicht zu schaffen! Das Aufstiegsrennen in der 2.Kreisklasse Oldenburg-Land/Delmenhorst? Völlig offen! Denn wo sonst kann der aktuelle Tabellensechste von sich behaupten, nur einen Platz hinter den Aufstiegsrängen zu lauern, obgleich nur zwei Mannschaften aufsteigen? Verwirrt? Wir klären auf!

Der SV Atlas Delmenhorst II ist zwar für den Moment »nur« auf dem sechsten Platz, weiß vor sich aber mit dem TuS Hasbergen II und dem Delmenhorster TB II jeweils Mannschaften vor sich, die nicht aufsteigen dürften, da in der nächsthöheren Spielklasse bereits die jeweils ersten Mannschaften antreten. Die ebenfalls vor dem SV Atlas Delmenhorst II platzierte dritte Mannschaft des FC Hude hingegen dürfte aufsteigen, obgleich auch hier eine weitere Mannschaft desselben Vereins in der nächsthöheren Liga wartet - allerdings »lediglich« die zweite Mannschaft des Vereins. Und während erste und zweite Mannschaft nicht in der selben Liga spielen dürfen, gilt diese Regel nicht für die zweite und dritte Mannschaft eines Klubs. Der wiederum auf dem derzeit fünften Platz geführte SV Turabdin Delmenhorst II dürfte ebenfalls aufsteigen, würde darauf aber, aus Angst eine Liga höher nur Kanonenfutter zu sein, vermutlich verzichten. 

Immer noch verwirrt? Keine Sorge, den Beteiligten geht es nicht besser. So gestand Atlas-Kapitän Tammo Renken dem »Delmenhorster Kreisblatt« offenherzig: »Ich weiß gar nicht, wer überhaupt aufsteigen darf. Vielleicht sind wir schon auf einem Aufstiegsplatz und wissen es gar nicht.« Im Sinne aller Beobachter kann man nur hoffen, dass sich das Problem bald von ganz allein löst. Schließlich mag der sechste Platz unter Umständen reichen. Doch vier Punkte auf Platz zwei aufzuholen erscheint fast einfacher, als die derzeitige Ausgangslage zu verstehen.