Helden der Unterklasse (52)

Katzenjammer

In Thalau bringt eine WhatsApp-Nachricht die Liga auf. In Hesedorf flüchtet ein Schiri vor dem Gestank. Und Spandau liegt in Afrika. Hat das Herz auch diese Woche am richtigen Fleck: Der Amateurfußball.

Facebook/Kreisligafußball - Das Bier gewinnt

Alles Gülle, oder was?
Die Gegend rund um den Sprakelpark, der Heimspielstätte des MTV Hesedorf und ziemlich genau in der Mitte zwischen Bremerhaven und Stade gelegen, ist einer dieser Orte, an denen man ein ganzes Lebensgefühl beschreiben könnte. Sattes, sanftes Grün, soweit das Adlerauge reicht. Selbst das Satellitenbild der Anlage versprüht norddeutsche Gemütlichkeit. Hier will man tief einatmen und im Einklang mit der Natur ins Glück rutschen. Außer man ist Schiedsrichter und für die Kreisklasse-Partie des MTV Hesedorf gegen die TuS Nieder-Ochtenhausen eingeteilt. Dann nämlich kann einem schnell alles stinken.

Selbst der Sprakelpark. So geschehen am vergangenen Wochenende, als der angesetzte Unparteiische das Spiel nach Begehung der Örtlichkeiten und wegen Gülle-Geruchs gar nicht erst anpfiff und den Tatort fluchtartig verließ. Dass sich zügig Ersatz fand, war den 30 anwesenden Zuschauern angesichts des anschließenden, ereignisarmen 0:0 dann allerdings nur ein schwacher Trost.


Foto: Screenshot Facebook/MTV Hesedorf

Unser Titelbild der Woche..
..zeigt ein A-Jugend-Spiel im Brandenburgischen. Mit einer Außenlinie, die nach Kreisliga-Eichmaß (1,3 Promille) schnurgerade ist. Mit einer Katze, die gelangweilt davon, das Internet zu gewinnen, mal eben gelassen das Spielgeschehen dominiert. Und einem Hund, den das nicht anficht. Ansonsten: Keine weiteren Auffälligkeiten..

Spandau liegt in Afrika
Der Spandauer SV war zwei Mal Berliner Meister, fünf Mal Pokalsieger und ist bis heute der erfolgloseste Zweitligist der deutschen Fußballgeschichte (zehn Punkte, 33:115 Tore). Dafür spielt er neuerdings auf dem Dorf in Senegal. Zumindest seine Trikots. Die wurden im Jahr 2014, als der Klub insolvent ging und vom Spielbetrieb abgemeldet werden musste, eingelagert. Ehe sie über den Bruder eines ehedem eingefleischten SSV-Fans (»Manni«!), dessen Frau Senegalesin ist, nach Afrika kamen und nunmehr eine Dorfmannschaft aus der Nähe von Diannah einkleiden.

Und die Trikots kommen bestens an, wie »Manni« gegenüber fussball.de zu berichten weiß. So habe einer der Spieler »das rote Trikot sogar schon in der örtlichen Disco angezogen.« Dumm nur, dass sich die Trikots offenbar selbst noch im Senegal treu zu bleiben scheinen. Die Premiere im Spandauer Dresscode jedenfalls ging mit 1:2 daneben. 


Foto: Screenshot fussball.de