Helden der Unterklasse (45)

Robert Lewandowski und die Spülmaschine

Warum ein Schluck Wasser zum Platzverweis führt, Eutin Polizei und Lübeck ein bunte Kuh hat. Lässt wie immer Fünfe gerade sein: Der Amateurfußball. 

Screenshot Facebook/Elfer Fußballmagazin

Mit Dir sind wir Bier
Allein schon der Vereinsname verheißt knisternde Erotik: Schwinger SC. Doch erst was sich als gewöhnlicher Abwehrspieler der zweiten Mannschaft ausgibt, ist der wahre Eisberg der Ekstase. Denn auch wenn die Truppe für den Moment durch die dritte Kreisklasse Stade geprügelt wird, als wären sie die niedersächsische Antwort auf eine Piñata, eines kann ihnen niemand nehmen: Das derzeit beste fupa.net-Profil überhaupt. Und was juckt es »Beercules«, wenn sich der Gegner in Sektduschen ergeht? Eben.


Foto: Screenshot fupa.net

Taschentücher raus!
Bevor ihr jetzt weiterlest, müssen wir darauf bestehen, dass ihr Euch über die möglichen Gefahren bewußt seid. Denn die folgende Geschichte geht ganz nah ran ans Herz. Mitten hinein ins Epizentrum der Fußballromantik. Dorthin, wo die ordinäre, zwischenmenschliche Liebe nur im Nebeldunst verirrter Hormone vorstößt. An den heiligen Gral des runden Leders: Die Vereinstreue. 

Yannick Marschner heißt der Held dieser Geschichte, spielt bei Eutin 08 und hatte eigentlich geplant, den Verein in der Winterpause zu verlassen. Denn Marschner ist Polizeibeamter und hat unlängst sein Revier gewechselt — von Neustadt an der Ostsee nach Geesthacht, wie luebeck.sportbuzzer.de berichtet. Mithin eine Fahrstrecke von gut und gerne eineinhalb Stunden. Doch da Marschner die Vorrunde wegen einer Verletzung fast vollständig verpasst hatte, konnte und wollte er sich so nicht verabschieden von den Jungs, seinen Jungs: »Ich kann nicht einfach abhauen, ohne irgendwie ein Spiel absolviert zu haben.« Hach. Oder für die jungen Menschen da draußen: Ihr habt teure Neuzugang, Eutin hat Polizei!

Woll?
Er wurde vom Hof gelobt, obwohl seine Haut für immer die Tinte seiner Heimat trägt. Er schloss sich seinem Bruder im Geiste an, und musste doch nur zusehen, wie der tat, was auch er am liebsten tut, was er am besten kann: Fußball spielen. Kevin Großkreutz' Istanbul-Abenteuer ist vermutlich gescheitert, bevor es begonnen hat. Das Heimweh hat ihn gepackt, heißt es. Und so spekulieren sich die, die von der Aufregung leben, ein fröhliches Loch in den Bauch, darüber, wo der Weltmeister von 2014 demnächst dem Ball hinterherjagen wird. Und bis weißes »Woll« aus dem Schornstein der Gewissheit qualmt, macht Großkreutz was? 

Er hält sich fit. Nahe der Heimat. Bei Westfalenligist Westfalia Wickede. Denn dort ist sein Kumpel Marko Schott Trainer. Und wie das so ist im Ruhrgebiet: Kumpel halten zusammen. Also zögerte Schott keine Sekunde, als die Anfrage ins Haus flatterte und lederte obendrein und ob der Aufregung darüber aus dem Ehrenkodex für echte Kumpels: »Der Junge hat nur bei einem unterklassigen Verein Fußball gespielt. Was ist so schlimm dabei? Heute steht das überall in den Medien und Handyfotos werden sogar verbreitet. Da sollte jeder Mensch mal in sich gehen und fragen, ob das alles so richtig ist.« Ist schon ok, denken wir uns dann. Und dass wir es aber auch geil fänden, wenn Großkreutz einfach auch für Wickede kicken würden. Aber was immer die Zukunft für ihn bereit hält, und was immer die Vergangenheit ihm auch nachsagt: Wir wünschen ihm alles Gute. Denn Typen wie ihn muss man nicht mögen. Aber immer respektieren. Woll?