Helden der Unterklasse (42)

»Wellsee Power« verleiht Hoffnung

Ein Energy-Drink, der dem Fußball gut tut. Ein Schiedsrichter, der alle beleidigt. Und ein Torwart, der unter Strom steht. Wie immer ohne Sicherung: Die Woche im Amateurfußball.

Screenshot Facebook/SC Fortuna Wellsee

Alles für den Arsch
Was macht Mensch, wenn er mit der Gesamtsituation unzufrieden ist? Er verleiht seinen Gefühlen Ausdruck. Dabei nicht nur in Fußballer-Kreisen ein beliebtes Mittel: Der Mittelfinger. Den bemühte am Wochenende auch Tobias Back, Spieler bei Eintracht Wald-Michelbach in der hessischen Verbandsliga, und reckte ihn in Richtung der Zuschauer. Doch damit nicht genug. Denn die Provokationen von den Rängen hielten trotz Mittelfinger an, und so sah sich Back offenbar gezwungen, seinem Unmut eine Steigerung einzuschreiben: Seinen blanken Hintern.

Die Reaktionen der Zuschauer hielten sich laut fupa.net zwischen Entsetzen und Gelächter die Waage. Zumindest Schiedsrichter Simon Müller verstand allerdings gar keinen Spaß und stellte den Popo-Blitzer mit Rot vom Platz. Da war das Spiel für Backs Eintracht übrigens längst gelaufen. Mit 1:4 ging die Partie bei Germania Großkrotzenburg in die Binsen. Alles für den Arsch.

Der Energy-Drink der Herzen
Hier kommt er, der Beweis, dass man mit Getränke-Dosen auch Gutes bewegen kann. Zu verdanken haben wir diese Einsicht dem Kieler Kreisligisten SC Fortuna Wellsee. Die haben eine Charge von 200 Dosen »Wellsee-Power« produzieren lassen und verkaufen den Energy-Drink fortan bei jedem Heimspiel zum schlanken Preis von 2,50 Euro. (siehe Titelbild)

Und das nicht etwa, um fortan für aberwitzige Summen Fantasie-Spieler aus aller Herren Länder einzukaufen, damit sie ihrem »spannenden Projekt« einen Aufstieg nach dem nächsten bescheren. Sondern einzig und allein, um dem guten Zweck zu dienen. Denn der Erlös der Aktion kommt dem »Förderverein für krebskranke Kinder e.V.« in Kiel zu Gute. Und so verleiht »Wellsee-Power« vielleicht keine Flügel, aber Hoffnung.

Der Tourette-Schiri
»Hau ab«, »Halt die Fresse« oder »Du läufst wie ein Affe«. Was klingt wie ein Best-Of aus dem »Tourette-Buch für Fantasielose« ist auf den Fußballplätzen der Republik leider oft genug Realität. Und ob diese Wortfetzen der Unterbelichtung nun von den Zuschauerrängen oder von den Spielern kommen — unangebracht sind sie allemal. Und auch beim Kreisoberliga-Spiel des SV Bruchenbrücken gegen den SV Steinfurth vom vergangen Wochenende fielen diese Worte. Nur war es diesmal der Schiedsrichter, der sich gegenüber den Spielern im Ton vergriff.

Das zumindest berichten die Steinfurther in einer Stellungnahme auf ihrer Facebook-Seite. Und auch darüber, dass Spieler und Verantwortliche beider Teams bereits während des Spiels versucht hätten, auf den Unparteiischen einzuwirken. Doch anstatt sich zu besinnen, drohte er offenbar unverhohlen mit Konsequenzen, ließ seinen Worten mit zwei schnellen Platzverweisen Taten folgen und kommentierte süffisant: »Ich habe euch doch gesagt, ich sitze am längeren Hebel.« Kann man nur hoffen, dass der Mann einfach nur den einmalig schlechtesten Tag seines Lebens hatte und Abbitte leistet. Oder andernfalls gesperrt wird. Denn wie heißt es in der Erklärung des SV Steinfurth so treffend:

»In unserem Bezirk gibt es sehr viele gute Schiedsrichter, denen wir dankbar sein sollten, dass sie uns es ermöglichen unseren Sport im Wettbewerbsmodus auszutragen. Wenn sich aber ein Mensch in einer Machtposition derart illegitim verhält, verzichten wir gerne auf den Wettkampf.«

Word.

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