Helden der Unterklasse (4)

Was Du am Wochenende alles verpasst hast

Gervinho besticht durch Bestechung, Rayo Vallecano durch ein großes Herz, der FC Taxi durch seinen Namen und Nußbach durch die schönste Stehplatztribüne jenseits von Dortmund. Hier kommt alles, was du am Wochenende in der Fußballwelt verpasst hast.

SV Nußbach

Gervinho und der blinde Passagier

Letzter Spieltag um die Qualifikation zum Afrika Cup 2015. Die Elfenbeinküste benötigte am vergangenen Mittwoch im Heimspiel gegen Kamerun noch einen Punkt, um sicher am Turnier teilnehmen zu können. Und so rückten sie alle an - von Kolo über Yaya Touré bis hin zu Gervinho, der für den AS Rom zuletzt so stark aufgespielt hatte. Und weil Gervinho für den Verein mindestens ebenso wichtig ist wie für sein Nationalteam, ließen sich die Römer nicht lumpen und spendierten dem Angreifer für den Rückflug einen Privatjet. 

Gervinho wiederum hatte nach der erfolgreichen Mission für sein Land - das Spiel endete 0:0 - offenbar beste Laune, eine Bekannte im Schlepptau und eine dämliche Idee im Kopf: die Bekannte an Bord des Fliegers zu schmuggeln. Den vier Angestellten des Flughafens von Abidjan, die sich ihm dabei zunächst in den Weg zu stellen drohten, hatten ein Einsehen. Gegen ein kleines Bestechungsgeld ließen sie Gervinho ungehindert passieren, berichtete »imatin.net«. Nur blöd, dass der Kapitän des Privatjets offenbar über das Arbeitsethos eines deutschen Beamten verfügte. Denn dieser weigerte sich schlichtweg, die nicht auf der Passagierliste auftauchende Dame an Bord willkommen zu heißen. 

Die vier Angestellten des Flughafens wurden anschließend umgehend entlassen. Gervinho hingegen erwartet eine Strafe ganz anderer Natur - er muss sich seiner Frau erklären.

Hammer SpVg gegen Aserbaidschan

Auch die Hammer SpVg hatte unter der Länderspielwoche zu leiden. Weil sich Mittelfeldspieler Dursun Akdag eigenmächtig auf die Socken machte, einen Sichtungslehrgang der U21 Aserbaidschans auf Malta zu besuchen, strich ihn Trainer Goran Barjaktarevic kurzerhand aus dem Kader. Nicht ohne seine rigorose Linie mit einem Verweis auf die ganz große Fußballbühne zu würzen: »Das hätte auch Ronaldo sein können«, sagte er gegenüber »Reviersport«. Ohne ihren Fast-Internationalen setzte es am Wochenende gegen die vor dem Spiel punktgleiche Eintracht Rheine eine bittere 1:4-Heimniederlage. Dursun Akdag kann sich derweil noch ein wenig in einer U-Mannschaft empfehlen. Bis zum Ende der Hinrunde ist er in die U23 des Vereins strafversetzt worden. Das wiederum hätte Ronaldo nun wirklich nicht passieren können.

Ein Krankenwagen für S. Sam

Kreisliga Kiel. SC Fortuna Wellsee gegen den TSV Flintbek. 75 Zuschauer. Der ganz normale Wahnsinn, garniert mit etwas »glaub ich nicht«. Denn das Spiel hat tatsächlich alles zu bieten, was den Amateursport ausmacht. Einen verletzten Torhüter, für den kein Ersatz vor Ort ist und der durch einen Stürmer ersetzt wird. Sechs Tore. Und einen Ausraster der Güteklasse »So kennen wir den Jungen gar nicht«. Simon Sam heißt der Mann des Spiels, dessen Gemüt offenbar ebenso schnell auf Touren kommt, wie ein Torschuß seines Namensvetters Sidney Sam. Und auch Simon erledigt zunächst seinen Job, schiebt zur 1:0-Führung für Flintbek ein. In der zweiten Halbzeit allerdings erregt ihn eine Freistoßentscheidung des Schiedsrichters so sehr, dass er seine gute Kinderstube vergisst und wegen Beleidigung die rote Karte sieht. Doch damit nicht genug.

Mit dem Platzverweis brennen bei Sam die Sicherungen durch. Die halbe Mannschaft des TSV Flintbek ist nötig, um den Unparteiischen vor Sam zu schützen. Gemeinsam zerren sie ihn vom Platz. Doch Sam wütet in der Umkleidekabine munter weiter vor sich hin. Schränke und Türen müssen dran glauben und irgendwann auch die Hand des Hitzkopfs. Nur gut, dass ohnehin gerade eine Krankenwagen vorgefahren kam, um einen Spieler, der nach einem Kopfballduell kurzzeitig das Bewußtsein verloren hatte, einzusammeln. Mit Verdacht auf Handbruch steigt auch Sam in den Krankentransport. Das Spiel endet nach 97 Minuten mit 3:3. Wie Simon Sam das Ergebnis aufgefasst hat, ist nicht überliefert.