Helden der Unterklasse (37)

Kalle Lippstadt

Warum Lippstadt »Rolex-Kalle« liebt, Kreisligisten schlauer sind als der HSV und die Amateure das TV-Highlight des Jahres sind.

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Ich bin dann mal weg
Größe zeigt man ja selten, wenn alles in Richtung Jackpot läuft. Größe zeigt man im Angesicht der Niederlage. Wenn einem der Sturm durch den vermeintlich schützenden Schirm Hagelkörner ins Gesicht schleudert. Wenn einem der Kuckuck für die Zwangsräumung schon an der Stirn klebt. Oder wenn man zur Halbzeit mit 1:6 zurück liegt und einfach keinen Bock mehr hat, sich für die »Flaschen leer« vor sich in den Dreck zu werfen. Insofern: Hallelujah, Chris Dapp, Torwart und Kapitän des SC Rot-Weiss Singen.

Denn der hat im Spiel der Kreisliga B, Bodensee gegen den FC Öhningen-Gaienhofen bereits nach 45 Minuten genug gesehen, seine Sachen und die Sieben-Meilen-Stiefeln gepackt und sich Richtung schützender vier Wände verabschiedet. Blöd für die Mannschafts-Kameraden, dass die angesichts des spielerischen Offenbarungseides zu dem Zeitpunkt bereits drei Mal gewechselt hatten und den Rest der Partie zu zehnt bestreiten mussten. Aber wer Zeichen setzen will, muss Kollateral-Schäden einfach in Kauf nehmen. Denn Größe zeigt man auch, indem man einfach nur mal eben sagt: Macht euren Scheiß doch alleine!


Foto: Screenshot fussball.de

Schlauer als der HSV
Lieber Hamburger SV: Angesichts der Auswärtsdarbietungen eurer ersten Mannschaft beim FC Bayern München in der jüngeren Vergangenheit, würden wir gerne auf »Paragraph 18 Absatz 4 der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung« verweisen. Beispielgebend dabei – die vierte Mannschaft von RW Stiepel aus der Kreisliga C5, Bochum. Die hatten im Heimspiel gegen die SF Westenfeld einen »schlechten Tag« erwischt und sich bereits zur Halbzeit mit 0:5 distanzieren lassen. Grund genug für die Jungs, Stutzen Stutzen und zweite Halbzeit zweite Halbzeit sein zu lassen, und zu eben jener wegen »technischer Überlegenheit« gar nicht mehr anzutreten. Und solltet ihr, lieber HSV, noch Zweifel hegen: Trotz dieser Schenkung rangiert die Mannschaft von RW Stipel IV auf einem soliden fünften Tabellenplatz. Oder kurzum: Europapokal!


Foto: Screenshot Facebook.com/SF.Westenfeld

Der Schiri-Würger
Der größte »Buzz« der vergangenen Wochen? Die »Schiri-Ultras« der »Brigade Hartmut Strampe«. Deren größte Qualität? Neutralität. Mit Fangesängen wie »Schiri, wir wissen, wo Dein Auto stand, ist aufgetankt, ist aufgetankt«, sorgen sie für Butterteig-Herzen unter den bis dato sträflich vernachlässigten Anhängern aller Unparteiischen und schlagen eine Schneise des Verständnisses in den Hass des gemeinen Fußball-Pöblers. Dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt, beweist ein aktueller Fall aus dem Landesklassenpokal-West.

Denn die Partie »zwischen dem TSV Einheit Tessin und dem PSV Rostock wurde in der 69. Spielminute beim Stand von 0:1 abgebrochen«, wie es bei rostock.sportbuzzer.de heißt. Der Grund? Ein Gäste-Spieler verstand die ihm gezeigte gelb-rote Karte als Aufforderung, den leitenden Schiedsrichter in den Würge-Griff zu nehmen. Unannehmbar, befand dieser zu Recht und unterbrach das Spiel in der 69. Minute. Frei nach dem Motto der »Brigade«, deren Aufklärungsarbeit trotz allem Erfolg offenbar noch viel Frohndienst zu leisten hat: »Sieg oder Spielbericht«. Klarer Fall von Schiri-Ball.