Helden der Unterklasse (27)

Was macht David Beckham in Verl?

Ein Weltstar ist Westfalen, ein Linienbus als letzte Rettung und Freibier für Fans. Wir haben die besten Geschichten aus dem Amateurfußball.

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Vragel der Ehre
Es läuft beim FC Oberlausitz Neugersdorf. Und das auch ganz ohne Fußballgott. Der war zu Beginn der Saison in Person von Ex-Profi Jiri Staijner in die Oberliga Sachsen-Anhalt hinabgestiegen, schaute sich um und befand, dass es auch ohne ihn gut sei. Er sollte Recht behalten. Auch ohne Staijner, der alsbald einen tschechischen Abgang hinlegte, schaffte der Klub als Vizemeister den Aufstieg in die Regionalliga und greift für die neue Saison erneut auf einen bekannten Namen zurück.

Vragel da Silva heißt der neue Trainer, der auf immerhin 205 Spiele in der ersten und zweiten Liga kommt und zuletzt die U23 von Energie Cottbus betreute. Warum die Wahl auf den Brasilianer fiel? Da Silva gilt als umgänglicher, aber konsequenter Typ mit einer deutlichen Ansprache. Womit auch geklärt wäre, weshalb der eher launische Jiri Stajner mit seinem Abgang alles richtig gemacht hat. 

Ein Sch*** auf unsr’en Busfahrer
Aus der Reihe »Suboptimale Spielvorbereitung«: SC Schwaz. Der österreichische Regionalligist musste am letzten Spieltag der Saison beim bereits abgestiegenen FC Bizau antreten. Es hätte der entspannte Ausklang einer soliden Saison werden sollen. Es wurde ein Höllentrip.

Bei dem der Mannschaftsbus den Geist aufgab. Und da auf die Schnelle kein Ersatz zu finden war, hieß es ausharren. So wartete die Mannschaft geschlagene 90 Minuten auf die Weiterfahrt — mit dem Linienbus. Der tat sein Bestes, gegen die verlorene Zeit anzurasen und sorgte damit vor allem für eines: Übelkeit. Denn mehreren Spielern sei in der Folge der rasanten Fahrt das Mittagessen wieder hochgekommen, wie »fanreport.at« berichtet.

Und trotz großzügig nach hinten verlegter Anstosszeit, ging das Spiel schließlich und fast zwangsläufig mit 1:3 verloren. Im Nachgang fand immerhin die Facebook-Seite des SC Schwaz zum Schmäh zurück und konstatierte gelassen: »Das Glück ist ein Vogerl.« Beziehungsweise ein defekter Bus. 


Der SC Schwaz und das Warten auf den Linienbus. Foto: Screenshot »fanreport.com«

Die Nibelungen 2.0

»Tristan erlöst C-Jugend« titelte in dieser Woche die Facebook-Seite der SG Siedlinghausen/Sielbach und verweist damit auf eine Geschichte epischer Schönheit. Und fast wie bei einer richtigen Nibelungen-Inszenierung war das Auswärtsspiel beim VfL Giershagen auch eine eher langatmige Angelegenheit, deren Ausgang schon heute als Gegenwartsparabel für Kampfgeist gelesen werden muss. 

Denn die Rahmenbedingungen, denen sich Tristan und Co. in Giershagen zur Wehr setzten, waren alles andere als dazu angetan, zu glänzen. Oder schlicht und einfach: Der Platz glich eine »Kuhweide«. Mehr als der erlösende Treffer zum 1:0 schien so nicht möglich. Oder um es mit der dramatischen, aber bezeichnenden Interpunktion der Gäste zu sagen: »Man hätte dieses Spiel höher gewinnen, können doch der Platz ließ es nicht zu.«

Wir hingegen finden: Man kann die Linien auch gerade ziehen. Nur wäre es dann nicht so, lustig.


Foto: Screenshot Facebook.com/SG Siedlinghausen