Helden der Unterklasse (26)

Tolle Anhänger

In Tiefenbronn verlieren Meister gegen das Karma, in Waging streamt Werner Lorant und in Hönebach wird die Zukunft auf Bierdeckeln geregelt. 

Facebook.com/Kreisligafußball - Das Bier gewinnt

Karma is a bitch
Ob Bundesliga, Premier League oder Kreisklasse: Meisterfeiern folgen dem immer gleichen Drehbuch. Neben Bierdusche und Empfang am Rathaus dabei fast schon obligatorischer Teil des Feier-Ritus — der Umzug auf dem Festwagen. Dachte man sich auch beim FV Tiefenbronn, dem frisch gebackenen Meister der Kreisklasse B2, Pforzheim. Funktionierte den Traktor eines örtlichen Bauern um und machte sich auf zum großen Triumphzug.

Einmal in Fahrt, beschloss man kurzerhand auch im Nachbarort vorbei zu paradieren, der Heimat des unliebsamen Vizemeisters, dem TSV Mühlhausen an der Würm. Und ausgerechnet dort passierte dann, was wohl passieren kann, wenn das Herz des Traktoristen an Überschwang leidet. Eine Linkskurve, ein zu beherzter Lenkeinschlag, und schon verhakte die Achse, kippte der Anhänger (siehe Titelbild). So zumindest beschreibt es die »Pforzheimer Zeitung« und liefert auch gleich die schnoddrig, trotzige Einschätzung des Malheurs aus Tiefenbronner Sicht: »Zum Glück sind wir nur beim Feiern falsch abgebogen und nicht in der Meisterschaft.« Word.

Das zweite Leben des Michael Tönnies
Auch bei der Spvg Schonnebeck gab es Grund zum Feiern. Und zwar nicht nur die souveräne Meisterschaft in der Landesliga und den damit verbundenen Aufstieg in die Oberliga Niederrhein, sondern vor allem auch das vorläufige Happy End unter der Lebens- und Leidensgeschichte von Michael Tönnies.

Der schoss einst den schnellsten Hattrick der Bundesligageschichte, war Torschützenkönig in der zweiten Liga und qualmte nebenbei bis zu 80 Zigaretten am Tag. Mit Folgen. Lungenemphysem hieß die Diagnose, die Tönnies’ Leben frühzeitig zu beenden drohte. Nur dank eines Spenderorgans überlebte er. Und startete durch in sein zweites Leben. Sein MSV Duisburg stellte ihn als Stadionsprecher ein. Und auch bei der Spvg Schonnebeck, seinem Jugendverein, fand er eine neue Aufgabe. 

An der Seite von Trainer und Bruder Dirk bastelte Michael Tönnies vor der Saison als sportlicher Leiter an der Neuausrichtung des Kaders. »Wir galten immer als Fußballballett. Von diesem Image wollten wir loskommen und haben die Mannschaft entsprechend zusammengestellt«, sagt er gegenüber »fussball.de« 

Mit Erfolg. Der Aufstieg in die Oberliga ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Und das schönste, vorläufige Happy End, das man sich für Michael Tönnies nur wünschen konnte. 

Blatter im Berliner Abseits
Wünsche haben sie auch beim FC Berolina Mitte in Berlin. Und zudem eine D-Jugend, die mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg hält. Für alle, deren Augen nur noch ungefähr scharf sehen, kommt hier der Wortlaut ihrer Botschaft: »He Blatter, Du stehst im Abseits. Für sauberen Fußball, Berolina Mitte.« Und für Wolfgang Niersbach und Co. gilt: Bitte ganz genau hinschauen. Und nachmachen. 


Foto von und lieben Dank an: Leser Holger Kulick