Helden der Unterklasse (23)

Die Sonne scheint bei Tag und Nacht

Maurizio Gaudino ist zurück, David Odonkor schon wieder weg und das Schützenfest von Flechum Sieger über den Fußball.

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Volltreffer
Im Emsland sind Schützenfeste heilig. Offenbar derart, dass selbst König Fußball das Nachsehen hat. Wie beim SV Flechum. Der hätte am Wochenende gegen den SV Teglingen antreten sollen. Doch das zeitgleich stattfindende Fechumer Schützenfest hatte schlichtweg Vorrang. So drohte der Gastgeber mit Spielabsage, sollte kein Ausweichtermin gefunden werden. Das wiederum war den Gästen aus Teglingen nicht Recht. Eine Verlegung des Spiels stelle einen erheblichen Nachteil im Kampf um den Aufstieg dar, so die einhellige Meinung. 

Denn ein Nachholspiel unter der Woche bedeute eben immer auch eine geschwächte Mannschaft. Schließlich würden viele Spieler aufgrund ihrer beruflichen Verpflichtungen schlichtweg nicht zur Verfügung stehen. Zu guter Letzt erwies sich die sture Haltung der Teglinger nur als Drohkulisse. Sportlich fair ließ man sich schließlich doch auf eine Verlegung des Spiels ein. 

Dass der Kampf gegen das Schützenfest von Anfang an aussichtslos war, hätte Teglingens Trainer Norbert Koers übrigens von vornherein wissen können. Ehedem Trainer in Dalum musste er aus dem gleichen Grund schon damals die Waffen strecken: »Ohne Spielverlegung kriege ich echt ein Problem mit der Mannschaft – das ist doch allen heilig.« 

Der König der Aufsteiger
»Der König von Giesing« will es noch einmal wissen. Karsten Wettberg ist inzwischen stolze 73 Jahre alt, aber für ein Engagement im Amateurfußball reicht die Energie noch allemal. FC Mainburg heißt die glückliche Braut, spielt in der Kreisklasse Landshut und verpasst in dieser Saison wohl denkbar knapp den Aufstieg. Aber dafür haben sie ja ab der kommenden Saison Karsten Wettberg. 

Der Mann ist schließlich die personifizierte Aufstiegsgarantie. Ob in Regensburg, Ingolstadt oder Unterhaching: Wo immer Wettberg in seiner inzwischen über 40 Jahre langen Karriere auftauchte, stellte sich der Erfolg ein. Seinen größten Triumph feierte Wettberg aber bei 1860 München. Als Vorgänger von Werner Lorant hievte er die Löwen Anfang der Neunziger Jahre in die zweite Liga.

Und auch mit 73 Jahren hat Wettberg nichts von seinem Ehrgeiz verloren. So habe er sich vor seiner Vertrags-Unterschrift zusichern lassen, dass die Leistungsträger des Vereins gehalten werden. »Der König von Giesing« will es eben noch einmal wissen.

Tor vor Ticker
Daniel Zimmermann heißt der Mann, der unseren Traum lebt — vom Ticker auf’s Spielfeld. Gut, es war nur die Kreisoberliga Hanau. Wir ziehen trotzdem den Hut. 


Foto: Screenshot »Fussball.de«