Helden der Unterklasse (19)

Wo ist der Beinhart?

Mannheim säuft für die Jugend, Berlin und Schwerin präsentieren nackte Tatsachen und Werner Lorant ist zurück – in der Bezirksliga!

imago

Beinharte Bezirksliga
Werner »Beinhart« Lorant ist zurück auf der großen, kleinen Fußballbühne. Für die letzten sieben Spiele der Saison übernimmt der Ex-Löwe in der Bezirksliga Oberbayern Ost den TSV Waging am See. Es ist die immerhin 16. Station seit Lorants Ende beim TSV 1860. Und eigentlich hatte sich das wohl berühmteste Nicotin-Pflaster-Testimonial der Geschichte längst in die wohlverdiente Rente verabschiedet. Doch dem »Lockruf« aus Waging konnte und wollte Lorant nicht widerstehen. Er wohne nun einmal in Waging, man hätte ihn eben gefragt und da hätte er dann zugesagt.

Der Mann ist sich eben treu geblieben — nicht lang schnacken, sondern anpacken. Und so stellte sich Lorant am Wochenende der neuen Herausforderung und mit der SV-SJK Kolbermoor sogleich dem Tabellenzweiten entgegen. 0:2 hieß es am Ende, doch Lorant sah viel Gutes und zeigte sich zuversichtlich den Abstieg noch abwenden zu können. Bei zwei Punkten Rückstand auf einen Relegationsplatz wäre noch alles drin, die Jungs hätten Qualität und wenn er das Trainingspensum erst einmal von zwei auf drei Trainingseinheiten in der Woche erhöht habe, werde es schon gehen. Willkommen zurück!

Saufen für die Jugend
Liebe Arbeitgeber rund um Mannheim: Sollten eure Angestellten Fans von Waldhof Mannheim sein, so bitten wir euch am nächsten Montag Nachsicht walten zu lassen. Denn es ist gut möglich, dass sie dann mit einer ordentlichen Fahne zur Arbeit aufschlagen, oder, im besten Fall, gar nicht. Aber liebe Arbeitgeber rund um Mannheim, seid beruhigt, es ist ja für eine gute Sache, für die Jugend. Und die ist schließlich auch eure Zukunft. Aber der Reihe nach.

Am kommenden Sonntag empfängt der SV Waldhof im heimischen Carl-Benz-Stadion den Tabellenführer der Regionalliga Südwest, Kickers Offenbach. Ein absolutes Highlight in der Saison und also nicht von ungefähr ein Zuschauermagnet. Und so dachte sich der Fandachverband »Pro Waldhof e.V.«, das wäre doch der optimale Zeitpunkt den eigenen Nachwuchs nicht nur mit warmen Worten, sondern auch finanziell tatkräftig zu unterstützen.

Und wie geht das besser als mit einem Benefiz-Besäufnis? Eben. Und so stellen die Jungs einen Bierwagen, dessen Tagesgewinne zu 100 Prozent an den »Förderkreis der Fußballjugend des SV Waldhof Mannheim 07 e.V.« gehen sollen. Prost.

Die Würstchen von Pankow
In Berlin Pankow ist die Welt noch in Ordnung. Kinder bieten älteren Mitmenschen (uns) im Bus ihren Sitzplatz an, Hunde kacken nur auf dafür vorgesehenen Grünflächen, die ganz nebenbei ohnehin gedüngt gehören und Touristen sind in etwa so häufig anzutreffen wie die alte Dame Hertha in der Champions League. Und als wäre das nicht alles schon wunderbar genug, hat Pankow auch noch sein ganz eigenes Derby zu bieten. Borussia und Fortuna Pankow rangeln um die Vorherrschaft im Kiez und zugleich um den Aufstieg in der Kreisliga A.

Am Wochenende war es endlich wieder soweit — Derbytime. Sportlich ist die Geschichte leider schnell erzählt. 0:0 endete der ausnehmend öde Kick. Um die Wurst ging es dennoch. So weigerten sich die Gästefans der Fortuna zunächst die von Borussia erhobenen vier Euro Eintritt zu zahlen. Und das, obwohl der Eintrittspreis eine Gratis-Wurst beinhaltete, die für sich genommen schon einen Wert von 1,60 Euro hatte und mindestens zwei Euro Wert gewesen sei, wie neutrale Beobachter zu Protokoll gaben

Die zur Hilfe gerufene Polizei klärte die Situation schließlich zur allgemeinen Zufriedenheit, nur um sich zehn Minuten vor Ende des Spiels einem weiteren Würstchen annehmen zu müssen. Ein Flitzer enterte den Rasen. (Hier das Beweismaterial im Bewegtbild.) Das Ziel seiner Übung blieb ungeklärt. Wir vermuten, der gute Mann wollte einfach nur den Beweis antreten, dass das Niveau des Spiels durchaus noch zu unterbieten sei. Das ist ihm eindrucksvoll gelungen. In Berlin Pankow ist die Welt eben noch in Ordnung.