Helden der Unterklasse (14)

Was du am Wochenende alles verpasst hast

In Bocholt vergessen sie ihre Trikots und finden den Weg nicht, in Bottrop entlassen sie für zwei Stunden ihren Trainer und in Breidenstein beißen sich Geister in die Wangen.

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Die Zwei-Stunden-Trainerentlassung

Ihr habt ein Herz für Seifenopern und Fußball, wusstet aber nie, wie ihr eure beiden Leidenschaften miteinander kombinieren sollt? Dann haben wir jetzt einen Namen für euch, einen Geheimtipp für Süchtige des herzlichen Wahnsinns: Rhenania Bottrop.

Bezirksliga 5, Niederrhein, 14. Tabellenplatz. Vier Punkte Vorsprung auf den Letzten, vier Punkte Rückstand auf das gesicherte Mittelfeld. Alles noch drin in der Rückrunde also, kein Grund zur Panik. Und dann — Panik. Nach dem 2:6 bei der Spvg Schonnebeck II, Anfang März, schienen die Tage von Trainer Oliver Dirr gezählt. Direkt nach dem Schlusspfiff setzte sich der Vorstand des Vereins zusammen, ein Mitglied des erlauchten Kreises überbrachte dem Trainer anschließend die üble Nachricht: Entlassung. Keine zwei Stunden später stand der Nachfolger von Oliver Dirr fest. Sein Name: Oliver Dirr. 

Bitte häh? Was war passiert? Offenbar war sich die eilig einberufene Vorstandsrunde keinesfalls einig, wie denn nun zu verfahren sei. Kein Grund für eben jenes Vorstandsmitglied, welches sich zum Überbringer der Nachricht aufschwingen sollte, keine klare Flagge zu bekennen. Nur haltbar war sein eigenmächtiger Vorstoß nicht. Und so hatte sich keine zwei Stunden später eine Situation ergeben, in der der Trainer zwar nicht entlassen, wegen seiner vermeintlichen Entlassung aber mächtig sauer war. Nach Rücksprache mit seiner Ehefrau nahm er das Angebot, wieder, bzw. weiterhin als Trainer von Rhenania Bottrop zu arbeiten allerdings an. 

Mit überragendem Erfolg. »Plötzlich waren alle wieder beim Training. Es stimmt wohl, dass ein neuer Trainer einiges ausmacht«, erzählte Birr dem »Reviersport« amüsiert. Und auch sportlich hat der neue, alte Trainer bereits überzeugt. Gegen den Tabellenzweiten, den DJK VfB Frohnhausen, reichte es zu einem achtbaren 1:1. Neue Besen kehren eben gut..Wann zieht der VfB Stuttgart nach und macht Huub Stevens zum Nachfolger von Huub Stevens?! 

Großaspach macht die Hütte voll

Dritte Liga. Schnittstelle zwischen Profi- und Amateurfußball und unterklassig eigentlich nur im mathematischen Sinn. Eine Liga als Sammelbecken von Traditionsvereinen wie dem MSV Duisburg, Preußen Münster oder Dynamo Dresden. Die empfingen am Wochenende die in jeder Hinsicht außenseitigen Außenseiter der SG Sonnenhof Großaspach. Aufsteiger, Kleinstverein und im tiefsten Abstiegskampf verfangen.

Klingt nach trüber Kulisse, entpuppte sich aber als großer Spaß. Denn die »Ultras Dynamo« stellten das Spiel unter das Motto »30.000plus - Großaspach macht die Hütte voll«. In den Gästen wusste man dafür zwar nicht gerade zahlreiche, aber begeisterte Komplizen. Entstanden sei die Idee nach den Erfahrungen des Hinspiels, als etwa 5.000 Dynamo-Fans »unvoreingenommen und gastfreundlich« in Großaspach willkommen geheißen wurden, hieß es im offiziellen Aufruf der Ultras. 

Ganz gereicht hat es am Ende nicht — »lediglich« 28.144 Zuschauer wollten das Spiel sehen. Immerhin 50 davon kamen aus Großaspach. Die hatten das beste Spruchband des Tages (siehe Titelbild des Artikels) und schließlich auch die Lacher auf ihrer Seite — Großaspach gewann mit 1:0.