Helden der Unterklasse (13)

Was du am Wochenende alles verpasst hast

In Neinstedt pachten sie Mett, in Köln leidet die schlechteste Mannschaft Deutschlands – und ein einsamer Trommler spielt international gegen die Bayern.

Facebook: SV Germania Neinstedt

Mehr Mett wagen

Als André Schürrle vor elf Bas-Dost-Toren in die Kulturmetrople Wolfsburg wechselte, jauchzte sein neuer Verein die frohe Kunde über alle erdenklichen Kanäle in die Welt. Eine Grußbotschaft auf Instagram hier, ein Interview für das hauseigene »Wölfe TV« da, und auch auf Facebook gab es natürlich alles rund um Vertragsunterschrift, Rückennummer und Lieblings-Pokémon Schürrles zu sehen, lesen und hören.

Dass dabei jedes Bild, jede Einstellung und jeder O-Ton durch die Köpfe und Hände von Marketing und Social-Media-Abteilung ging, fällt schon längst nicht mehr ins Gewicht. Bis man den Blick entweder zurück in die »gute, alte Zeit« oder aber nach unten, in den Amateurfußball, richtet. Zum Beispiel nach Sachsen-Anhalt, in die Harzliga 2.

Dort spielt der SV Germania Neinstedt, der in der vergangenen Woche große Neuigkeiten zu verkünden hatte. Denn fortan und für die nächsten 20 Jahre tritt der Verein als Pächter des örtlichen »Bodestadions« auf. Offenbar ein echter Coup für die Neinstedter, die in den letzten zehn Spielzeiten immerhin vier Aufstiege in den Harz feierten.

Und so fand die frohe Botschaft auch schleunigst den Weg auf die Facebook-Seite des Klubs. Es ist fast ein bisschen wie bei Schürrle und dem VfL Wolfsburg - nur mit mehr Mett. Und auch in Sachen Titel kann die SV Germania mit den Wolfsburgern mithalten, wie das Bild beweist. Der Hartung-Cup von 2002 mag nicht ganz so bedeutend sein wie die deutsche Meisterschaft 2009, hat aber die schönere Trophäe. Glückwunsch, Neinstedt.



Häuptling der Schuhschonen

Frauen sammeln Schuhe. Warum sie das tun, ist wenig erforscht. Zugegeben, es gibt eine Splittergruppe männlicher Nerds, die der Sammelei ebenfalls verfallen sind. Die Sneaker horten und handeln, als wäre es mehr als das plumpe Festhalten an der vergehenden Jugend. Aber während die Schuhleidenschaft der Frauen zu einer Art Klischee-Folklore verallgemeinert wurde und Nerds eben Nerds sind, gibt es einen Mann, der unseren Respekt und unser Verständnis verdient hat: Marco Michalzik.

Der Student der Sportwissenschaften sammelt Fußballschuhe. Und mehr als das. Er bloggt darüber. Über 70 Paar sind inzwischen in seinem Besitz und über die meisten hat er sich für seinen »Bootsblog« ausführlich Gedanken gemacht. In fast schon aufwendigen Videos stellt Michalzik die Treter vor. Nicht ohne die richtigen Worte zu finden: »Es gibt wohl kaum einen Schuh, der Innovation und klassische Eleganz so gut verkörpert wie der neue Adipure 11pro von Adidas. Der Schuh besticht durch neueste Technologie, hebt sich aber vor allem durch seine altmodische Leder-Optik ab«, ist auf auf seinem Blog zu lesen.

Zugegeben, das klingt ein wenig nach Marketing und Product-Placement, aber was soll's? Er verdiene zwar nicht viel mit dem Blog, der auf Facebook immerhin mehr als 35.000 Fans hat, »doch ich werde oft auf Events von Sportartikelherstellern eingeladen, da lernt man jede Menge Leute kennen«, erzählt der Töppen-Fetischist dem »Express« und schwärmt von persönlichen Begegnungen mit Jerome Boateng oder Mario Götze.

Neben Sportstudium und Schuhsammlung kickt Michalzik auch selbst, für die TuS Gerresheim, in der Kreisliga A 2, Düsseldorf. Ob er sich zum Anpfiff oder Training verspätet, weil er sich partout nicht entscheiden kann welchen seiner vielen Schuhe er denn nun diesmal an den Ball lässt, ist nicht bekannt. Allerdings sind manche Schuhe seiner Sammlung auch so wertvoll, dass es wohl ein Frevel wäre, sie in der Kreisliga im Wert zu mindern. So würde sein derzeitiger Lieblingsschuh, »das Modell, das Cristiano Ronaldo 2009 im Champions League-Finale zwischen Manchester United und dem FC Chelsea trug«, derzeit für circa 2000 Euro gehandelt.