Helden der Unterklasse (12)

Was Du am Wochenende alles verpasst hast

In Neuwied freuen sie sich, wenn der Gegner gut gespielt hat, in Herne grätscht ein Emmy-Gewinner und Homburg backt große, serbische Brötchen. Hier kommt alles, was du am Wochenende in der Fußballwelt verpasst hast.

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Die den Gegner feiern

»Ich glaube nicht an Gott. In Spanien bekreuzigen sich alle 22 Spieler vor jedem Spiel. Würde das irgendwas bewirken, dann gingen danach alle Spiele grundsätzlich unentschieden aus«, sagte einst der Flügelstürmer der Theologie, Johan Cruyff. Vielleicht unterscheidet und erkennt der liebe (Fußball-)Gott aber auch die Glaubenstreue seiner kickenden Schäfchen und lenkt die Spiele dementsprechend? Dann allerdings wäre der CSV Neuwied einer klarer Kandidat für die Champions League. Denn der im Dezember 2000 gegründete Christliche Sportverein Neuwied bekennt sich schon im Namen zu seiner Religiosität. Doch der CSV Neuwied wäre wohl kein Verein bibeltreuer Christen, hätte er nicht noch mehr zu bieten als eine rein sportliche Agenda. So heißt es auf der vereinseigenen Homepage

»Die gemeinsame Zielsetzung, guten Fußball zu spielen und als Mannschaft Erfolge zu haben, versteht sich von selbst. Doch der CSV will viel mehr erreichen. Wir möchten einen aktiven Beitrag leisten, jungen Menschen Gemeinschaftsgefühl und Perspektiven zu vermitteln, das Miteinander und die Integration von unterschiedlichen Nationalitäten fördern und uns so präventiv gegen Gewalt, Ausländerfeindlichkeit und Drogen einsetzen.«

Eine Einstellung, die die Mannschaft auch auf die Plätze der Kreisliga B, Westerwald-Wied, überträgt. Dabei steht der Fair-Play-Gedanke über dem sportlichen Erfolg. »Wir wollen beim Fußball Spaß haben. Und das auch, wenn wir durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters in der 97. Minute verlieren. Dann ist das halt so. Wir feiern den Gegner für seinen Sieg und fahren nach Hause zu unseren Familien«, erklärt Trainer Mike Vlajnic gegenüber »Fussball.de« und fügt hinzu: »Natürlich kann ein Foul im Spiel immer passieren. Aber bei uns werden Spieler aus dem Spiel genommen, wenn sie sich bewußt unfair verhalten.«

Da ist es wenig verwunderlich, dass die Neuwieder Jahr für Jahr den Fair-Play-Preis des Fußballkreises Westerwald/Wied abräumen. Nur in dieser Saison ist die Titelverteidigung in Gefahr. Eine rote, eine gelb-rote und immerhin 14 gelbe Karten stehen nach 14 Spieltagen zu Buche. Doch Trainer Vlajnic ist überzeugt: »Wir werden wieder die fairste Mannschaft, ganz sicher.« Mit 19 Punkten Rückstand auf den Aufstiegs- und 12 Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz ist damit klar, mit welcher Marschrichtung der CSV Neuwied in die Rückrunde geht: Hinten fair, und vorne hilft der liebe Gott.

Ein serbischer Nationaltorwart. Bei Genclerbirligi. In Homburg

Es klingt wie eine Archivmeldung aus den 80er Jahren: Homburg verpflichtet den serbischen Nationaltorwart Zilic. Als würde der ehrwürdige FC Homburg nichts unversucht lassen, noch irgendwie die Bundesliga zu halten. Doch es geht nicht um den alten Kempen FC, sondern um Genclerbirligi - das zweite »g« ist stumm! - Homburg. Und nicht um den Klassenerhalt in der ersten, sondern um den Aufstieg in der Bezirksliga. Die führt man für den Moment souverän an. Nach 16 Spielen stehen 13 Siege und zwei Unentschieden bei nur einer Niederlage zu Buche. Ganze neun Gegentore kassierte die Abwehr vor dem überzeugenden Torwart Waldemar Junker. Und dennoch war Cemil Mert, der Vorsitzende des Vereins, seit »drei Monaten hinter ihm her«. »Ihm«, das ist Dragan Zilic, serbischer Nationaltorwart. Wobei man diesen Ehrentitel relativieren muss. Schließlich sind seine vier Länderspiele schon ein paar Tage her. Zwischen 2003 und 2004 stand er für die damals noch unter Serbien und Montenegro firmierende Nationalmannschaft zwischen den Pfosten.

Aber auch sonst kann Zilic auf eine Karriere zurückblicken, von der andere Zilics nur träumen können. Erste Liga Kroatien, erste Liga Slowenien, Uefa-Cup gegen Ipswich Town und Slavia Prag. Jetzt also Homburg. Warum sich Zilic - im Nebenberuf übrigens Präsident seines Heimatvereins OFK Großkikinda - im stattlichen Alter von 40 Jahren nochmal in die Bezirksliga wagt, scheint auf der Hand zu liegen. Denn, so der Vereinsvorsitzende Mert gegenüber der »Saarbrücker Zeitung«: »Der Verein konnte seine Bedingungen erfüllen, die in der Öffentlichkeit nicht genannt werden müssen.« Wir haben verstanden.