Helden der Unterklasse (11)

Was du am Wochenende alles verpasst hast

In Niederbachem suchen sie Randalierer, in Steinbach sind sie gut zu Vögeln und beim FC Frohlinde ist Wurst ein Hit. Hier kommt alles, was du am Wochenende in der Fußballwelt verpasst hast.

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Zieh weiter, du Vogel

Chaos beim TSV Steinbach. Dabei lief es bisher so gut. Bis zur Winterpause sammelte der Verein 51 Punkte in 20 Spielen. Damit führt das Team die Hessenliga mit satten 14 Punkten Vorsprung an. Doch mit der Winterpause kamen die Probleme - in Gestalt von Bergfinken. Die zieht es in der kalten Jahreszeit aus ihrer eigentlichen Heimat in Skandinavien und Russland in wärmere Gefilde, also auch in den Taunus, nach Steinbach. Dass der direkt an den örtlichen Fußballplatz angrenzende Wald voller Buchen steht, hat sich unter den Bergfinken offenbar rumgesprochen, und so sind es geschätzt mehr als eine Million Bergfinken, die derzeit in und um Steinbach ihr Winterquartier aufgeschlagen haben.

Das ist auf der einen Seite ein Naturschauspiel der besonderen Art, auf der anderen Seite allerdings ein Problem für den Fußball. Denn die Vogelschar zieht Wochenende für Wochenende hunderte Schaulustige, Fotografen und euphorisierte Ornithologen an den Waldrand von Steinbach. Und mithin auf den Parkplatz des TSV. Deshalb herrsche »Chaos«, wie der Pressesprecher des Vereins gegenüber »Fussball.de« verriet. »Die Spieler finden zeitweise keine Parkplätze mehr«, und der Naturschutzbund habe gebeten, die Flutlichtanlage zum Schutz der Tiere nicht vor 18 Uhr in Betrieb zu nehmen.

Doch der Verein zeigt sich in dieser Saison nicht nur sportlich von seiner besten Seite, sondern überzeugt auch ethisch. Von Zeit zu Zeit würden sich Schaulustige, die ob der Vögel am Sportplatz des Vereins ausharrten, Spiele der Jugendmannschaften anschauen. Doch man wolle die Situation nicht »ausnutzen«, so Pressesprecher Sven Firmenich. Daher sei der Imbisswagen, der die Vogelfreunde an den Wochenenden verpflege, auch nicht vom Verein gestellt, sondern gehöre einem örtlichen Unternehmer. Bei so viel Edelmut kann man nur hoffen, dass die Bergfinken bald ein Einsehen haben und sich auf den Heimweg machen. Oder aber am kommenden Wochenende im Heimspiel gegen die TSV Lehnerz für einen Zuschauerrekord der besondern Art sorgen. Die erste Mannschaft des TSV Steinbach hat sich derweil ein Beispiel genommen und die Flatter gemacht - ins Trainingslager in der Türkei. Von Schaulustigen vor Ort wurde bisher nichts berichtet.

»Fangen wir simpel an«

In diesen Tagen feiert die Republik das gefühlt hundertjährige Regnum des guten Samariters Hans-Joachim Watzke beim gemeinnützigen Ballspielverein Borussia Dortmund 09. Zu diesem Anlass ist es einigen findigen Journalisten gelungen, den ansonsten so scheuen Geschäftsführer-Aki zum Reden zu bringen. So wetterte er etwa im Kirchenblatt der Religionsgemeinschaft Fußball, dem »Kicker«, gegen den großen Rivalen aus München, der die »BVB-Mannschaft von 2012 zerstören wollte«. Doch nicht nur im bezahlten Fußball wird verbal scharf geschossen. Auch in der Kreisliga giften die Vereinsoberen gegeneinander, dass man sich wundert, warum es noch keine RTL-2-Serie gibt, die dieses Konfliktpotential für sich zu nutzen weiß. Wie etwa den des Klagefalls des Heisinger SV.

Der Essener Klub aus der Kreisliga A spielt eine starke Saison und hat gute Chancen auf den Aufstieg. Ein Sieg im Nachholspiel gegen den Vorletzten, die zweite Mannschaft des ESC Rellinghausen, und der erste Platz wäre nur noch drei Punkte entfernt. Doch das Heimspiel ging mit 1:4 verloren. Dabei kam das Ergebnis nicht von ungefähr, denn die Gäste setzten gleich neun Spieler aus ihrer zwei Klassen höher spielenden ersten Mannschaft ein. Eine Unsportlichkeit, findet man beim Heisinger SV und setzte im Nachgang den vielleicht schönsten offenen Brief seit langer Zeit auf. Das komplette Schreiben findet sich hier. Wir liefern die schönsten Auszüge:

Liebe Sportskameraden und Vorstandskollegen vom ESC Rellinghausen 06,

beruflich bedingt konnte ich leider nicht zuschauen, sonst hätte ich Ihnen vor Ort schon ein paar passende Worte mit auf den Weg gegeben. (…) Gecoacht wurde diese gut bezahlte Landesligatruppe nicht vom Kreisligatrainer, sondern natürlich vom Trainer der Ersten. (…) Fangen wir simpel an: (…) Ihre 2. Mannschaft besteht aus Kreisligakickern und befindet sich im Abstiegskampf. Das macht oftmals keine allzu große Freude. (…) Dass dann auch noch Verständnis geheuchelt wird, setzt dem Ganzen die Krone auf. (…) Gehen Sie einfach davon aus, dass wir Ihr Verständnis weder benötigen noch wünschen.

Mit sportlichen Grüßen

Dr. Peter Küpperfahrenberg

1. Vorsitzender

Dafür, dass das besagte Spiel für die Gastgeber vollends in die Hose ging, sorgte übrigens der Schiedsrichter der Partie. Der zeigte den Heisingern in der Schlussphase der Begegnung gleich drei rote Karten und kündigte nach dem Spiel einen Sonderbericht an, da er von der sportlichen Leitung der Heimmannschaft sowie den Zuschauern beleidigt worden sei. Die hatten prompt eine Erklärung für das rigorose Durchgreifen des Unparteiischen parat: »Der Schiri war früher bei uns in der Jugend aktiv und hat den Verein im Unfrieden verlassen«, heißt es dazu bei »Reviersport«. Wenn das mal nicht nach einem offenen Brief schreit.