Helden der Unterklasse (10)

Was du am Wochenende alles verpasst hast

Defekte Abwasseranlagen reparieren mit »Goldesel« André Schürrle, eine Vereinshymne aus dem Automaten und Einbrecher, die mit Grätschen zur Strecke gebracht werden. Hier kommt alles, was Du am Wochenende in der Fußballwelt verpasst hast.

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Was für ein Wochenende in den Regionalligen! Die Traditionsvereine gaben sich die Klinke in die Hand und spielten einen Klassiker nach dem anderen gegeneinander aus. VfB Oldenburg gegen den SV Meppen (1:2), BFC Dynamo gegen Carl Zeiss Jena (3:1) oder Alemannia Aachen gegen Rot Weiß Essen (1:0) lauteten die Begegnungen unter anderem. Letztere verzeichnete gar einen Zuschauerrekord. Über 30.000 Zuschauer wollten live miterleben, wie Goldkehle Steffen Simon das Spiel für den WDR in die weite Welt kommentierte. Doch nicht überall rannten die Fans die Stadientore nieder.

KAPRAGZ: Kassels PR-Abteilung gegen den Zuschauerschwund

Das Heimspiel Hessen Kassels gegen die SpVgg Neckarelz etwa wollten »lediglich« 3.500 Zuschauer erleben. Für die vierte Liga gar nicht schlecht, mögen die einen sagen, doch den Verantwortlichen ist das lange nicht genug. Und so erweist sich der Verein als äußerst findig und fahndet auf ungewöhnlichen Wegen nach dem verloren gegangenem Zuspruch. Nachdem man sich Ende des vergangenen Jahres auf die Suche nach einem Vor-Meckerer gemacht hatte, verkauft der Verein nun eine sogenannte »Klugscheißer-Karte«. Mit Geld-Zurück-Garantie. »Beim Kauf der Dauerkarte für die letzten sieben Spiele, kann der Ausgang getippt werden. Wer zum Saisonende bei allen Heimspielen vorher genau wusste, wann die Löwen siegen, wann es eine Niederlage gibt oder beide Teams punkten, der erhält sein Geld zurück«, heißt es dazu auf der Homepage des Klubs. Dort ist übrigens auch zu erfahren, dass die Stelle des »Chefmährers« noch nicht besetzt wurde. Dabei hätte es am Wochenende allen Grund gegeben, sich ordentlich die Meinung zu geigen. Gegen Neckarelz setzte es eine 0:1-Niederlage.


Lottogewinn André Schürrle

32 Millionen Euro gab der VfL Wolfsburg bekanntlich aus, um Weltmeister-Siegtor-Vorbereiter André Schürrle in die Kulturmetropole Wolfsburg zu locken. Und was macht die Bundesliga? Hebt, so sie nicht auf Geldbündeln gebettet ist, mahnend den Zeigefinger. »Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. 32 Millionen für Schürrle – ja, wo sind wir denn gelandet«, fragte Frankfurts theologischer Leiter Heribert Bruchhagen in einer Diskussionsrunde des Bezahlsenders SKY. 

Für die Fans des Ludwigshafener SC hingegen hätte die Ablösesumme für Schürrle ruhig noch ein paar Millionen Euro höher ausfallen können. Schließlich ist der Jugendverein des Weltmeisters am Verkauf beteiligt. Anders als im Fall von Toni Kroos, dessen Wechsel zu Real Madrid seinem ersten Verein aus Greifswald nach einigem Hin und Her eine Ausbildungsentschädigung von 60.000 Euro einbrachte, kassiert man in Ludwigshafen wegen des sogenannten »Solidaritätsmechanismus«. Wir bitten um Nachsicht, dass wir uns die Einzelheiten an dieser Stelle ersparen. 

In Kurzform aber heißt das im Fall Schürrle: Fünf Prozent der gesamten Transfersumme entfallen auf die ehemaligen Vereine des Stürmers. So erhält Mainz 05 circa eine Million Euro, Bayer Leverkusen rund 300.000 Euro und der Ludwigshafener SC exakt einen Prozent. Macht 320.000 Euro und Feierbiestlaune im Vereinsheim. Doch in der Rhein-Neckar-Metropole bleibt man auch nach dem als »Lottogewinn« gefeierten Geldregen mit beiden Beinen auf dem Boden. So verrät LSC-Sportchef Jakob Brunn im Interview mit dem Vereins-Blog, wie das Geld eingesetzt werden soll: » Es hat einen Investitionsstau gegeben. Im Clubhaus muss die Abwasseranlage saniert werden, die Gartenwirtschaft soll aufgepäppelt und verschönert werden. Zudem werden wir Rücklagen für die Zukunft bilden, beispielsweise für das Dach des Clubhauses.

Doch natürlich soll der vereinseigene »Goldesel« auch entsprechend seiner Bedeutung geehrt werden. So kann sich Sportchef Brunner durchaus vorstellen, im Klubhaus eine »Art André-Schürrle-Ecke« einzurichten. Freilich erst, wenn die Abwasseranlage wieder funktioniert.