Helden der Unterklasse

Was Du am Wochenende verpasst hast

Der SV Godorf hat einen Fuchs als Trainingsgast, Germania Ratingen einen Freigänger als Siegtorschützen und ein Fan der Offenbacher Kickers bald ein Problem. Während die Nationalmannschaft gegen Gibraltar gurkte, spielte der Fußball auf der kleinen Bühne wieder mal groß auf. Da ist natürlich auch Jiri Stajner nicht weit.

Klaus Badtke

Der Fuxx der Woche

»Wir haben einen Neuen beim Training. Das ist ein echter Fuchs.« Was nach einem gewöhnlichen Kompliment unter Hobbyfußballern klingt, ist beim SV Godorf 1956 tierische Realität. Denn seit einigen Wochen besucht dort Fuchs Ferdi das Training der ersten Mannschaft. Sobald dienstags und donnerstags Abends das Flutlicht angeht, steht er parat und verfolgt gebannt das Trainingsgeschehen. Zuerst sei er noch schüchtern gewesen, erzählt Trainer Klaus Badtke, doch mit der Zeit hätte er Zutrauen gefasst. Inzwischen renne er auch auf das Spielfeld, immer dem Ball hinterher. Die Spieler hingegen lässt er in Ruhe. Die danken es ihm mit Katzenfutter.

Nur bei den Sonntagnachmittag stattfindenden Heimspielen ist Fuchs Ferdi bisher noch nicht aufgetaucht. Das mag daran liegen, dass Füchse generell eher in der Dämmerung aktiv werden. Aber vielleicht ändert Ferdi seine Gewohnheiten demnächst ja noch. Zumal er auch als Spieler eine gute Figur machen würde. Seine enge Ballführung und eine hohe Grundschnelligkeit prädestinieren ihn geradezu für einen Einsatz auf den Flügeln, so Trainer Badtke. Und vielleicht überlegt sich der SV Godorf dann ja sogar, das Vereinswappen zu ändern. Noch prangt darauf ein Esel. Den haben sie beim Training allerdings noch nie gesichtet. Höchstens im übertragenen Sinn.

Stajner für alle, alle für Stajner

Einst war er mit 3,5 Millionen Euro der teuerste Spieler in der Vereinsgeschichte von Hannover 96. Er spielte für Tschechien bei der WM 2006 und wurde tschechischer Meister mit dem FC Slovan Liberec. Jiri Stajner »Fußballgott« war stets einer zwischen Zauber und Entsetzen. Jetzt spielt er, im stolzen Alter von 39 Jahren, beim Fünftligisten FC Oberlausitz Neugersdorf. Warum sich das schlampige Genie das antut? »Weil er noch ein bisschen Fußball spielen und dafür nicht 100 km bis nach Prag fahren wollte«, so Stajner gegenüber »Fussball.de«. Die Nähe des Vereins zur tschechichen Grenze ist ein Standortvorteil, den der Verein zu nutzen weiß. So spielen derzeit gleich acht Tschechen im Team des FC Oberlausitz.

Der mit der Erfahrung von 229 Bundesligaspielen ausgestatte Stajner sticht dabei natürlich hervor. Sein Trainer schwärmt von seiner Lust auch beim Training, die Mitspieler davon, eine Menge lernen zu können. Zudem trauten sich die meisten Gegner »gar nicht richtig an ihn heran«. Unter dem Strich ist der Verein damit auf dem besten Weg in die Regionalliga. Jiri Stajner wäre dann 40. Lust hätte er allemal. Und vielleicht tritt Stajner dann sogar nochmal auf die ganz große Bühne, den DFB-Pokal. Auf dem Weg dorthin hat man am vergangenen Wochenende im Sachsenpokal sensationell Dynamo Dresden ausgeschaltet.