Held oder Bratwurst? Top und Flop der Woche

Lehmann und die Intelligenz

Bratwurst: Jens Lehmann

Das Gegenteil von »gut« ist »gut gemeint«. Das musste nun Jens Lehmann erfahren, als er in der sonntäglichen Teleshopping-Sendung mit gelegentlichen Sportbeiträgen den Spieler Ilkay Gündogan loben wollte. »Er ist intelligent, spricht sehr gut Deutsch«, urteilte Lehmann und verschlug damit vielen Zuschauern die Sprache. Denn Gündogan ist in Gelsenkirchen geboren, womit für mindestens eine der beiden Eigenschaften beste Voraussetzungen geschaffen sind. Der Deutschlehrer am RTL-Mikro bekam schlechte Noten in den sozialen Netzwerken und auf den Medienseiten der Zeitungen.


Deutschlands ehemaliger Nationaltorwart wollte eigentlich auch nur ausdrücken, was die großen kickenden Germanisten vor ihm schon in so wunderbaren Sätzen formuliert hatten. Der ehemalige Bayern- und Dortmund-Stürmer Jürgen Wegmann zum Beispiel drückte einmal sein Verständnis für einen Mitspieler aus: »Man muss verstehen, dass er Probleme mit dem Eingewöhnen hat. Er ist die deutsche Sprache noch nicht mächtig.« Der Leverkusener Hans-Peter Lehnhoff fand derweil anerkennende Worte für seinen brasilianischen Mitspieler: »Emerson intrigiert sich immer mehr.«

Im Prinzip wartet Fußball-Deutschland nun auf eine Laudatio von Gündogan auf Lehmann. Sie wäre überfällig, schließlich handelt sich um einen Menschen, der Brillen klaute, hinter Banden pinkelte, Schuhe der Kollegen wegwarf, das Duschen mit den Kollegen scheute und wegen versuchter Körperverletzung vor Gericht stand – und trotz allem wieder einer geregelten Arbeit nachgeht (wenn auch nur für RTL). Man muss also sagen: Jens Lehmann hat sich sehr gut in die Gesellschaft integriert.

Dem Mann sollte mehr Milde entgegen gebracht werden, denn schließlich hat er schon zu seiner aktiven Zeit eine Erklärung für seine jüngsten Kommentare geliefert. Er sagte: »Eine Minute nach Spielende habe ich noch nicht die Intelligenz, um das Spiel zu beurteilen.«