Hat Mauretaniens Präsident ein Finale vorzeitig beendet?

Abbruch aus »organisatorischen Gründen«

Mögliches Szenario: Die Alkohol-Geschichte (Ahlenfelder wurde, auf den Konsum hingewiesen, später mit dem wunderbaren Satz »Wir sind Männer und trinken keine Fanta« zitiert) war nur Vorwand. Der Schiedsrichter hatte einfach keine Lust mehr auf den grauen Kick (Endergebnis tatsächlich 0:0) an diesem noch graueren Novembertag und wollte sich und die Fans erlösen. Fragen können wir Wolf-Dieter Ahlenfelder leider nicht mehr. Er starb am 2. August 2014.

Elfmeterschießen, Ende, Aus

Womit wir bei Mohamed Ould Abdel Aziz wären. Der ist Präsident von Mauretanien und sah sich am Wochenende das Supercup-Finale zwischen Tevragh-Zeina und ACS Ksar an. Beim Stand von 1:1 soll laut Informationen der »Gazzetta dello Sport« in der 63. Minute folgendes passiert sein: Weil ihn der Kick zu sehr anödete, befahl der Präsident, das Spiel abzubrechen und eine schnelle Entscheidung per Elfmeterschießen herbeizuführen. Das Tevragh-Zeina gewann.

Inzwischen hat der mauretanische Fußballverband diese Version dementiert. Verbandspräsident Ahmed Ould Abderrahmane erklärte: »Ich bestreite eine Intervention des Präsidenten der Republik aufs entschiedenste. Die Entscheidung erfolgte aus organisatorischen Gründen in Abstimmung mit den Präsidenten und Trainern beider Mannschaften.« Welche »organisatorischen Gründe« das gewesen sein sollen, verriet Herr Abderrahmane leider nicht.

Demnächst mit eckigen Bällen?

Eine mögliche Deutung: Wenn die Partie nicht abgebrochen worden wäre, hätte Staatspräsident Aziz relativ zügig recht unangenehme Strafen organisiert. Der Mann hat sich 2008 an die Macht geputscht und pflegt einen eher diktatorischen Führungsstil. Jeder fünfte Mauretanier soll Sklavenarbeit verrichten, Todesstrafen sind an der Tagesordnung. Was bedeuten einem solchen Mann Sätze wie »Der Ball ist rund. Und das Spiel dauert 90 Minuten«? Wenn Mohamed Ould Abdel Aziz will, dann wird in Mauretanien demnächst mit eckigen Bällen gespielt.

Und so sollte sich auch unsere Bewunderung für seinen Spielabbruch aus Langeweile in Grenzen halten – so gerne wir es dem Mann ab und an mal gleichtun würden. Erinnern wir lieber noch mal an den deutschen Schiedsrichter. Der war laut 11FREUNDE-Informationen niemals als Diktator tätig. Darauf ein Bierchen plus Malteser-Schnaps!