Hat Hoffenheim ein Hooligan-Problem?

»Wir hätten ihnen mehr Intelligenz zugetraut«

Das Pokalspiel zwischen Aalen und Hoffenheim hat eine hitzige Vorgeschichte: Am Samstag hinderte die Polizei 23 TSG-Fans an einem Angriff auf Aalen-Anhänger. Hoffenheims Fanbeauftrager Michael Pisot möchte dennoch nicht von Hooligans sprechen.

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Michael Pisot, am Samstag wurden 23 Hoffenheim-Fans am Bahnhof Ubstadt-Weiher festgenommen, weil sie versuchten, nach Sandhausen reisende Anhänger des VfR Aalen abzupassen. Hat Hoffenheim ein Hooligan-Problem?
Ich denke, wir sollten in diesem Zusammenhang weder von Fans noch von Hooligans sprechen.

Wieso?
Wir haben in Hoffenheim definitiv keine Hooligan-Szene. Die 23 Leute waren Mitglieder einer ultranahen Gruppe. Darüber, was sie zu dieser irrsinnigen Aktion getrieben hat, kann man nur spekulieren. Eindruck schinden vielleicht.

Das müssen Sie erklären: Die Polizei spricht von 23 gewaltbereiten Personen. Sie hingegen bezeichnen sie nicht als Hooiigans.
Ich denke, man muss differenzieren. Wir kennen die Leute recht genau und wissen, dass sie der klassischen Definition von Hooligans nicht entsprechen. Gleichwohl  verurteilen wir die Aktion scharf.

Sie haben mittlerweile Gespräche mit der Gruppe geführt. Worum ging es dabei?
Wir haben ihnen klar zu verstehen gegeben, dass solche Aktionen für den Verein inakzeptabel sind, wir jegliche Gewalt und Vandalismus verurteilen und alles uns Mögliche unternehmen werden, um die Wiederholung einer solchen Aktion zu vermeiden. Gut ist, dass auch die Fanklubs diese Aktion scharf kritisiert und distanziert haben.

Welchen Hintergrund hat die Gruppe?
Das sind alles Jungs, die auch schon als Ultras in der Zweiten Liga dabei waren. Sie sind zwischen 16 und 35 Jahre alt und liegen damit ein wenig unter dem Altersschnitt unserer gesamten Fanszene. Sie machen alle eine Ausbildung, ihr Abitur oder studieren. Deshalb hat uns dieser Vorfall umso mehr enttäuscht. Wir hätten ihnen mehr Intelligenz zugetraut.

Auf Facebook ernten die vermeintlichen Hooligans für ihr Vorhaben am Samstag Spott. Die Aktion stärkt den Ruf des Klubs nicht gerade.
Das haben wir ihnen auch genau so gesagt. Das Image der Klubs hat sich gerade in den vergangenen Monaten stark verbessert, und dann setzt man diesen Reputationsgewinn durch einen solchen Schwachsinn wieder aufs Spiel. Wir alle haben hier eine Verantwortung und stehen für Bodenständigkeit, Toleranz, Respekt und ein friedliches Miteinander.

Zuletzt waren Hoffenheim-Fans 2010 nach dem Spitzenspiel gegen Bayern aufgrund eines Gewaltvorhabens medial präsent. Wie hat sich die Hoffenheimer Fan-Szene in den fünf Jahren seit diesem Vorfall entwickelt?
Alleine daran sehen Sie ja schon, dass wir kein latentes Problem haben. Auch die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Wir haben aktuell 4500 organisierte Fans. Die Relegationsspiele 2013 haben die Fanszene eng zusammengeschweißt. Das Gewaltpotenzial ist dabei aber nicht gestiegen. Dreiviertel der Profi-Vereine wären froh, wenn sie sich wie wir mit nur zwei Vorfällen in fünf Jahren hätten beschäftigen müssen. Dennoch ist jeder Fall einer zu viel.

Ist es positiv, dass man dem Verein dieses Gewaltpotenzial nicht zutraut?
Zunächst ja. Die TSG Hoffenheim steht nicht für Gewalt und eine ausufernde Szene im Umfeld. Dennoch heißt es, immer wachsam zu sein. Solche Vorfälle wie die vom Wochenende machen uns hellhörig. Wir arbeiten daran, die Fanbasis zu entwickeln und auszubauen. Da geschieht auch sehr viel auf dem sozialen Feld. Natürlich wird mit einer wachsenden Anhängerschaft auch das Risiko größer, aber es ist unsere Aufgabe, da entgegen zu wirken.

Inwiefern kann man bei Hoffenheim-Fans überhaupt von Ultras sprechen?
Sie geben bedingungslos alles für ihre Mannschaft. Sie opfern all ihre Zeit und lehnen Kommerz ab.