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Magenta Sport

Hat 1860 ein vereinskritisches Plakat retuschiert?

Verdammt!

Mit einer Matthias-Reim-Zeile auf dem Doppelhalter übte ein 1860-Fan Kritik an Hassan Ismaik. Allein, Leser der Vereinshomepage bekamen davon wenig mit.

imago images

Da war er endlich, auf der großen Bühne, gleich würden die Lichter angehen. Als Matthias Reim, später dann vierfacher Sieger der »Goldenen Stimmgabel« und 2011 mit dem »Ballermann-Award« fürs Lebenswerk ausgezeichnet, 1990 zum ersten Mal auf die Bühne trat, konnte er es selbst kaum fassen. Seinen selbstkomponierten Song hatte er doch an so viele Plattenfirmen geschickt, keiner wollte ihn haben. Er wäre fast nicht beachtet worden. Erst eine Kassette an ZDF-Moderator Wim Thoelke, der ihn daraufhin in die »Schlagerparade« einlud, brachte den Durchbruch. Those were the days.

Ein Detail fehlt

Von damals übrig geblieben ist vor allem sein Songtext »Verdammt, ich lieb’ dich. Ich lieb’ dich nicht«. Ein Text, so präsent, dass ihn ein Fan von 1860 München auch noch im Jahre 2019 auf einen Doppelhalter drucken ließ. Darauf zu sehen: Das Wappen des Giesinger Klubs neben der Zeile »Verdammt, ich lieb’ dich«. Darunter das Konterfei von Investor Hasan Ismaik, »Ich lieb’ dich nicht« daneben. Wie oft er das Banner schon mit in die Kurve brachte, ist ungewiss. Vielleicht wäre es dem Stück Stoff auch genauso ergangen wie Matthias Reim, und es wäre einfach in Vergessenheit geraten. Doch dann half - so scheint es - der Verein ein bisschen nach.

Denn nachdem 1860 am Montagabend in der Schlussphase das Drittligaspiel gegen den VfR Aalen drehte und noch 2:1 gewann, feierten Spieler und Fans gemeinsam. Ein Moment, den scheinbar auch der vereinseigene Fotograf unbedingt festhalten wollte. Ein Bild, das mehrere Spieler auf den Zaun kletternd zeigt, schaffte es anschließend auf die Startseite der Löwen-Homepage. Mit einem pikanten Detail.

1860 stellt sich taub

Denn wie einige Twitter-Nutzer herausfanden, hatte jemand allem Anschein nach das Foto einer kleinen Retusche unterzogen. Zwar war das Banner gleich neben der Ergebnistafel zu sehen, allerdings: Es fehlte der zweite Teil. Dass ein Fan den umstrittenen Investor Hasan Ismaik nicht lieben könne, passte wohl nicht so recht in die vereinseigene Geschichtsschreibung. Auf dem Banner war deshalb nur die Zeile »Verdammt, ich lieb’ dich« zu lesen.

Wer und nach welchen Richtlinien die Fotos auswählt, wer das Motiv am Ende retuschiert hat und warum überhaupt, dazu machte der Verein trotz einer entsprechenden Anfrage am Mittwochnachmittag bisher keinerlei Angaben. Anderen Medien erging es genauso. Das Foto ist mittlerweile auch nicht mehr auffindbar.

Die Website der Sechszger am Mittwochnachmittag. Das Plakat ist links neben der Ergebnistafel zu sehen, im Original oben. Quelle: Screenshot.