Hass-Duell in der Premier-League-Aufstiegsrunde

Duell der Gegensätze

Bielsa und Lampard – das sind zwei Trainertypen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Der Argentinier, Spitzname »El Loco« (Der Verrückte), beendete seine Profikarriere bereits mit 25 Jahren wegen Perspektivlosigkeit und begann stattdessen, die Struktur des Fußballs bis in seine letzten Verästelungen zu studieren, zu analysieren und zu revolutionieren. Bielsa steht für ein hochkomplexes Strategiespiel, irgendwo zwischen 4-2-3-1, 3-4-3 und 4-1-4-1, erarbeitet in stundenlangen Videoanalysen und tagelangen Verschiebe-Übungen auf dem Platz, während die Bälle unbenutzt in der Ecke liegen.

Gegensätze stoßen sich ab

Lampard, 106 Länderspiele für England, 105 Champions-League-Einsätze, gilt eher als Pragmatiker. Wenn der 40-jährige Sohn eines Berufs-Fußballers (Frank Lampard sr.) ein Spiel analysiert, redet er lieber über Zweikampfverhalten und Chancenverwertung als über das strategische Besetzen der Räume in Ballnähe und die Plastizität von Pressingzonen. Lampard-Fußball ist typisch britisch: schnell, steil und schnörkellos. Ohne listige Winkelzüge.

Professorale Typen wie Bielsa sind Lampard eher zuwider – vielleicht auch, weil der Argentinier Derby County schon während der regulären Saison vor schier unlösbare Rätsel stellte. Beim ersten Aufeinandertreffen in Derby (1:4) konterte Leeds die wütend attackierenden »Rams« eiskalt aus. Im zweiten Spiel ließ Bielsas Team die diesmal tief stehenden Lampard-Schützlinge so lange laufen, bis sich die entscheidenden Lücken auftaten. Leeds siegte 2:0, ohne sich zu verausgaben.

Unerklärliche Schwächephase

Dank solch starker Leistungen hatte die Bielsa-Truppe lange Zeit auf den Plätzen 1 und 2 der zweiten englischen Liga gelegen, was am Ende den direkten Aufstieg bedeutet hätte. Erst eine unerklärliche Schwächephase in der Schlussphase der Saison wies Leeds United den beschwerlichen Weg durch die Aufstiegsrunde, in der vier Teams im K.o.-System um nur einen Premier-League-Platz und um die damit verbundenen 200 Millionen Euro Mehreinnahmen kämpfen müssen. Dort trifft der Dritte Leeds auf den Sechsten Derby.

Und so könnte der vermeintlich schlichte Lampard dem weltweit geachteten Fußball-Philosophen Bielsa in nur einem Spiel doch noch alles kaputt machen – und dafür sorgen, dass die Leeds-Fans sich heute an ihren eigenen Spottgesängen verschlucken. »Die gegnerischen Anhänger sind natürlich siegessicher nach dem 1:0 im Hinspiel«, stichelt Lampard, »aber ich begreife das als Herausforderung. Mal sehen, wer am Ende jubiliert.« Und wer das Aufstiegsfinale gegen Aston Villa, die sich am Dienstagabend im Elfmeterschießen gegen West Bromwich durchsetzten, erreicht.