Harry Kane wird zum Kunstobjekt

Auf den Fünfer

Er hat einen super Namen und ist Torschützenkönig der Weltmeisterschaft geworden. Jetzt macht Harry Kane auch noch Kunsthistoriker glücklich. Und potentiell ganz Großbritannien.

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Harry Kane kann glücklich machen. Das wussten bisher: seine Frau, Fans von Tottenham Hotspur und jene der englischen Nationalmannschaft. 



Aber Harry Kane, dieser Teufelskerl, der Torschützenkönig der WM 2018, kann noch viel mehr. Harry Kane kann uns alle glücklich machen. Gut, eigentlich kann er nichts dafür, aber immerhin sein Konterfei. Das nämlich schmückt seit kurzem sechs Fünf-Pfund-Noten. Winzig klein, nur mit der Lupe zu sehen, und unter der behänden Kunst des Mikro-Graveurs Graham Short zum Leben erweckt.



Strategisch geschickt verteilt

Was die Frage aufwirft, warum der Job »Mikro-Graveur« nie in den Berufsprofilen des Arbeitsamtes auftauchte, schließlich soll jeder einzelne Geldschein stolze 50.000 Pfund wert sein. Einzig und allein wegen des Mini-Kane, auf der Pfund-Note eingraviert neben das Hologramm von Londons Wahrzeichen Big Ben.



Die Preisexplosion erschließt sich aus zwei Gründen. Zum einen ist Graham Short tatsächlich so etwas wie eine Berühmtheit, er zählt zur Elite der »Micro-Art«. So ein echter Kane-Fünfer ist also vor allem auch ein echter Short-Fünfer. Zum anderen ist die Nachfrage künstlich verknappt worden. Schließlich gingen die ersten beiden Fünfer an Harry Kane himself sowie den englischen Fußballverband. 

Die restlichen vier Kunstanleihen verteilte Short strategisch geschickt überall in Großbritannien: in den West Midlands, in Edinburgh, in Wales und Nordirland.

Weltrekord im Schwimmen

Die Folge ist klar, wir müssen an dieser Stelle und in sicherer Hoffnung eurer Kennerschaft von Walter Benjamins Standardwerk »Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit« wohl kaum ausführlicher werden.



Nur eines verwundert am Ende dann doch und ein wenig ist man geneigt, der Sache eine kommerzkritische Note verleihen zu wollen. Micro-Artist Graham Short hält es gar nicht so sehr mit dem Fußball, vielmehr mit dem Schwimmsport und dort den Weltrekord im 200-Meter-Butterfly für Männer zwischen 70 und 74 Jahren!



Aber wollen wir mal nicht so sein, ist schließlich Kunst. Und also einigen wir uns auf folgende Lesart: Harry Kane kann glücklich machen. Selbst Graveure mit dem Platin-Seepferdchen.


Und so sieht das Ganze aus (Foto: Screenshot Twitter/@TheSTMagazine)