Hany Ramzy über Ägypten – Algerien

»Wichtiger als das Finale«

Hany Ramzy bestritt 124 Spiele für Ägypten. Der Ex-Profi, der für Werder Bremen und Lautern spielte und heute die U21 seines Landes betreut, spricht vor dem Halbfinale des Afrika-Cups über das brisante Duell mit dem Erzrivalen Algerien. Hany Ramzy über Ägypten – Algerien Hany Ramzy, was macht die Besonderheit des bevorstehenden Halbfinalspiels Ägypten gegen Algerien aus?

Ägypten gegen Algerien ist immer ein spezielles Spiel, besonders nach den beiden Spielen im November, als es um die WM-Qualifikation ging. Für uns Ägypter ist das Spiel noch wichtiger als das Finale. Wenn wir gegen Algerien gewinnen und das Finale verlieren, ist das nicht so dramatisch. Gegen Algerien zu verlieren aber schon.

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Rings um die beiden Spielen zur WM-Qualifikation gab es teils schwere Ausschreitungen. Wie ist die Stimmung in Ägypten vor dem dritten Kräftemessen binnen zwei Monaten?

Diesmal betonen die Zeitungen hier in Ägypten, dass es nur ein Fußballspiel ist und nichts mit Politik zu tun hat und dass es gut ist, dass auf jeden Fall ein arabisches Land im Finale steht. Die Stimmung ist viel positiver als im November.

In der Heimat mag die Stimmung friedlich sein. Mohamed Zidan aber sagte in Angola, es ginge gegen Algerien „um Leben und Tod“, das Spiel sei wie ein Krieg. Wie darf man das verstehen?


Unsere Regierung und die Medien sprechen eine andere Sprache. Sie sagen, dass es nur ein Spiel ist und wir gute politische Beziehungen mit Algerien haben.

Vor dem Entscheidungsspiel im November in Kairo war das noch anders, es wurde auch von Politikern Stimmung gegen die algerische Mannschaft gemacht. Haben die Ägypter daraus gelernt?

Auf jeden Fall. Der Sportminister und auch Präsident Mubarak haben gesagt, dass wir diesmal besonders vorsichtig sein müssen.

Die algerischen Spieler warfen den Ägyptern vor, mit einer geplanten Aktion in Kairo den Mannschaftsbus angegriffen zu haben.

Die Medien, in Ägypten wie auch in Algerien, haben damals geschrieben, das Spiel sei wie ein Krieg. Das war nicht richtig. Deswegen beruhigen die beiden Regierungen dieses Mal die Situation.

Wie war die Stimmung in Ägypten nach der Niederlage im Sudan, die das WM-Aus bedeutete?

Ganz Ägypten war traurig. Als wir das erste Spiel in Kairo mit 2:0 gewonnen hatten, haben alle gesagt, dass wir schon in Südafrika sind und im Sudan sowieso gewinnen. Dort waren wir zwar die bessere Mannschaft, aber die Algerier haben cleverer gespielt und das Tor geschossen. Die Qualifikation wäre für uns viel wichtiger gewesen als der Afrika-Cup, weil wir seit 20 Jahren nicht bei einer WM waren.

Sie haben als Aktiver sechs Mal gegen Algerien gespielt. Was macht die besondere Rivalität aus?

Spiele gegen andere nordafrikanische Länder sind immer besonders schwer, egal ob gegen Algerien, Tunesien oder Marokko.

Wurden die Spiele gegen Algerien besonders hart geführt?

Immer. Auch die Atmosphäre war immer aggressiv, egal ob hier in Ägypten oder in Algerien. Die Stadien waren voll, es waren immer besondere Spiele in den letzten zwanzig Jahren. Nachdem wir uns vor 20 Jahren gegen Algerien für die WM in Italien qualifiziert hatten, gab es Probleme mit den Fans und den Spielern.

Ein algerischer Spieler soll damals einen Ägypter schwer am Auge verletzt haben. Sie haben auch gespielt, haben Sie die Tumulte mitbekommen?

Ich habe nur davon gehört. Die Nachricht, dass ein ägyptischer Fan ein Auge verloren hat, ging durch die Zeitungen und hatte auch politische Konsequenzen. Das haben die Menschen hier in Ägypten bis heute nicht vergessen.

Wie stehen die Chancen, dass Ägypten am Donnerstag gewinnt?

Die Mannschaft hat viel Selbstvertrauen. Seit 2004 haben wir kein Spiel mehr beim Afrika-Cup verloren, wir haben 2006 und 2008 den Titel gewonnen. Jetzt stehen wir im Halbfinale. Ein Spiel gegen Ghana oder Nigeria wäre trotzdem einfacher. Technisch und taktisch sind wir aber die bessere Mannschaft. Wir gewinnen auf jeden Fall.

Algerien schaffte in letzter Sekunde den Ausgleich gegen die Elfenbeinküste. Warum wird sich Ägypten dennoch durchsetzen?

Nach dem schweren Spiel gegen Kamerun hat die Mannschaft viel Selbstvertrauen. Den Afrika-Cup drei Mal hintereinander zu gewinnen, wäre ein neuer Rekord und ein sehr, sehr großer Erfolg. Ich denke auch, dass die algerischen Spieler die WM bereits im Hinterkopf haben. Für sie ist die WM noch wichtiger, deswegen werden wohl nicht alle hundert Prozent zur Sache gehen. Unsere Chancen zu gewinnen sind größer.

Wer sind die Leistungsträger im ägyptischen Team?

Ahmed Hassan ist der Kopf der Mannschaft. Unser gefährlichster Joker ist Mohamed Gedo, er kommt meistens für die letzten zwanzig Minuten und hat so schon drei Tore erzielt. Auch unsere Nummer 10, Emad Motab, ist ein sehr cleverer Spieler, obwohl er mit 26 Jahren noch relativ jung ist. Er hat sicher das Zeug, als Profi in Europa zu spielen. Mohamed Zidan spielt ja bei Dortmund schon eine gute Rolle. Ich hoffe, dass sich noch andere ägyptische Spieler in der Bundesliga durchsetzen.

Sie betreuen derzeit die U 21 von Ägypten und wollen zu den Olympischen Spielen 2012. Wie schätzen Sie die Generation ein, die Sie trainieren?

Bei der U-20-WM hier in Ägypten ist die Mannschaft im letzten Jahr leider nur in die zweite Runde gekommen. Wir haben aber einige gute Talente und wollen unbedingt zu Olympia, weil wir seit 1992 nicht mehr mit einer Fußballmannschaft teilgenommen haben.