Hansi Küpper verabschiedet Großkreutz

»Treue – und Identifikation«

Das Herz von Kommentator Hansi Küpper schlägt für den BVB – und für Kevin Großkreutz. Hier erinnert er sich an Madrid und Maloche.

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In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai 2013 war ich in Madrid. Das Halbfinale in der Champions League zwischen Real und Borussia Dortmund war beendet, der BVB im größten Finale des Klubfußballs. Die Straßen waren rappelvoll mit schwarz-gelb, überall wurde gefeiert. Ein irischer Pub war besonders mit Dortmundern belegt. Und mittendrin stand Kevin Großkreutz und jubelte am lautesten. Hier war er genau richtig. Bei seinen Jungs. Mit seinem BVB.

Bemerkenswerter Tag für den Fußball im Ruhrgebiet

Mehr als zwei Jahre später, am 31. August 2015, gibt dieser Großkreutz seinen Wechsel zu Galatasaray Istanbul bekannt. An einem sehr bemerkenswerten Tag für alle, die es mit dem Fußball im Ruhrgebiet halten. Nicht nur Großkreutz hat »seinen« Verein verlassen bzw. verlassen müssen. Auch Jakob Blaszczykowski ist weg. Seit 2007 war Kuba beim BVB, er war der letzte Feldspieler, der schon da war, bevor Jürgen Klopp den Verein neu erfand.

Und ein paar Kilometer weiter ist Schalkes Eigengewächs Julian Draxler ebenfalls Geschichte. Bemerkenswerte Transfers auch deshalb, weil diese drei für Werte stehen, die es so nur noch ganz selten im Profifußball gibt: Vereinstreue und Identifikation. Draxler hat schon vor Jahren gesagt, dass er niemals zum BVB gehen könne. Kuba hat gerade ähnliches über Schalke berichtet. Und Kevin Großkreutz? Weitere Nachfragen verbitten sich.

Keine Stammplatzgarantie – trotz Liebe zum Klub

Ich kann nicht sagen, dass mich diese Personalien traurig machen. Dass ein Profi, bei aller Liebe zum Verein, nicht dauerhaft für die zweite Mannschaft spielen möchte, nur, um weiter Teil des Klubs zu sein, ist logisch. Andersherum kann kein Verein der Welt Stammplatzgarantien ausgeben, bloß weil der Spieler schon als Kind in der Kurve stand.