Hansa Rostock plant den Angriff von unten

Keine Strukturen ohne Elgeti

Beständigkeit – genau daran hat es dem FC Hansa zuletzt auf nahezu allen Ebenen gefehlt. Pavel Dotchev zum Beispiel ist bereits der achte Cheftrainer, der sich in den letzten drei Jahren an Hansas Profi-Team versuchen darf. Gemessen daran ist der Hamburger SV ein souverän geführter Verein. So weit zur sportlichen Gemengelage.

Wirtschaftlich verliefen die Jahre nach dem zweiten Bundesliga-Abstieg 2008 ähnlich turbulent. Der FC Hansa stand mehrfach am Rande der Auflösung, 2012 musste sogar die Stadt eingreifen, um den schlimmsten Fall zu verhindern: sie half mit einem millionenschweren Paket und erließ dem Verein unter anderem Steuerverbindlichkeiten, die das sichere Aus bedeutet hätten. 2015 passierte schließlich auch in Rostock das, was unter Fußballfans naturgemäß kontroverse Diskussionen auslöst: Hansa öffnete sich für einen Investor. Mit einem Darlehen in Höhe von vier Millionen Euro rettete Rolf Elgeti dem Klub damals die Lizenz.

Elgeti und die Zukunft

Später beglich er weitere offene Rechnungen, etwa die für den Stadion-Neubau. Und die Fans wunderten sich: Rolf wer? Schließlich war Elgeti, Sohn eines mecklenburgischen Landwirts und erfolgreicher Aktien-Analyst, zuvor nie groß in Sachen Fußball in Erscheinung getreten, unter den Fans scheiden sich an ihm bis heute die Geister. Im Sommer 2017, so scheint es, haben sie in Rostock ihren Frieden mit Elgeti gemacht. »Die zentrale Frage ist natürlich: »Wie sehr mischt er sich in Zukunft ein?«, sagt Sebastian Rohde, »ohne ihn würde es den FC Hansa jedenfalls nicht mehr geben.«

Ohne Elgeti wären alle Strukturen weggebrochen, auch der komplette Nachwuchsbereich, der den Verein am Leben hält. Allerdings wirkt sich die Drittliga- Zugehörigkeit auch zusehends negativ auf die Jugendmannschaften im Verein aus. »Wenn wir in der C-Jugend zwei, drei Riesentalente haben, werden die im Normalfall von anderen Vereinen abgeworben, da müssen wir uns nichts vormachen«, erzählt Schneider. »Man hofft natürlich immer, den ein oder anderen zu den Profis durchzubekommen, aber das wird in der Dritten Liga nicht einfacher. Deshalb dürfen wir nicht jammern und müssen die Gegebenheiten akzeptieren. Wenn wir gute Verträge stricken und für unsere Nachwuchsspieler eine vernünftige Ausbildungsentschädigung bekommen, ist uns auch geholfen.«

»Das sieht endlich wieder nach Fußball aus«

Für den Moment hat zumindest das Profiteam einen guten Eindruck hinterlassen, mit sieben Punkten aus vier Spielen steht Hansa im vorderen Tabellendrittel und hat vorsichtige Erwartungen geweckt. »Mein Eindruck ist: Wir haben eine junge Mannschaft, die sich den Arsch aufreißt«, sagt Sebastian Rohde, »das sieht endlich wieder nach Fußball aus.« So ganz traut der 37-Jährige dem Braten allerdings noch nicht, dafür hat er, dafür hat der Verein in den letzten Jahren viel zu viel erlebt. »Ich bin schon froh, wenn es keine Nebenkriegsschauplätze mehr gibt und einfach Ruhe im herrscht.«

Damit könnte auch René Schneider leben. »Für ein Saisonziel ist es noch ein bisschen zu früh«, sagt der Sportvorstand, »aber ich habe den Eindruck, dass die Leute nur darauf warten, dass Hansa wieder guten und erfolgreichen Fußball spielt.« Am besten schon Montagabend im Pokalspiel gegen Hertha BSC.