Hannover 96 spielt zu schön!

Endlich ein Grund zur Panik

Keine Skandale, keine Aufreger - Hannover 96 hat es dank vieler überzeugender Auftritte geschafft, sich im oberen Drittel der Liga festzubeißen. Doch ist es überhaupt gut, wenn die Roten am Ende der Saison im UEFA-Cup landen? Imago Willst du 96 oben sehen, musst du nicht mal die Tabelle drehen! Unglaublich, dass es die Roten geschafft haben, mit guten, teils auch sehr guten, Leistungen das obere Drittel der Liga anzupeilen. Die negativen Ausrutscher waren dabei – ganz im Gegenteil zu den vergangenen Erstligajahren – eher die Ausnahme als die Regel. Keine Skandale, keine Aufreger, überall gelebte Harmonie á la „Unsere kleine Farm“. Bei soviel Solidität im sportlichen wie auch im wirtschaftlichen Bereich dürfen die 96-Fans in dieser Saison ausnahmsweise ohne Zugabe von bewusstseinserweiternden Drogen vom internationalen Geschäft träumen. Da so viele blühende Landschaften aber stinklangweilig sind, ist es an der Zeit, ein wenig Paranoia zu verbreiten und zu fragen: Ist es überhaupt gut, wenn Hannover im UEFA-Cup landet?

Denken wir einmal darüber nach, was allein seit dem Jahr 2000 mit Bundesliga-Mannschaften in der Folgesaison passierte, nachdem sie zuvor als Überraschungsmannschaft einer Spielzeit im Europa-Pokal gelandet waren. Ich erdreiste mich einfach einmal, die Roten in diesem Jahr als Überraschungsteam zu bezeichnen. Blicken wir daher zunächst auf die Saison 2000/2001. Der SC Freiburg spielte eine großartige Hin- und Rückserie und belegte am Ende den sechsten Platz. In der folgenden Spielzeit traten die Breisgauer zwar im UEFA-Cup auf, jedoch versagten sie in der Liga ein ums andere Mal. Letztlich stiegen sie 2002 als 16. der Tabelle ab.

In der Saison 2003/2004 trieb Irans-Möchtegern-Nationaltrainer Peter Neururer den VfL Bochum mit BILD und stumpfen Fußballweisheiten vor sich her, bis die Spielzeit auf dem überraschend guten sechsten Tabellenplatz endete. Für den mehrfachen Ruhrpott-Meister war das Abenteuer UEFA-Cup zwar schnell beendet, der Schock des Ausscheidens zog sich aber durch die komplette Saison der Blau-Weißen. Am Ende schmiss Pedder das Handtuch und sein Goldkettchen und der VfL stieg 2005 als 16. ab.

Die Kuschelmannschaft Nummer eins der Saison 2005/2006 war ja eigentlich 96. Doch die greisen, alten Herren des DFB haben die Weisheit nun mal mit Suppenkellen gefressen, und erklärten den FSV Mainz 05 zu den größten Wattebäuschchen-Werfern der Liga. Aus unerfindlichen Gründen adelt die UEFA solche Leistungen mit einem Platz im Europa-Pokal. Dass Mainz und nicht Hannover eine Reise durch die unendlichen Weiten des alten Kontinents antreten durfte, ist im Nachhinein nicht wirklich schlimm. Denn im Sommer 2007 stiegen die notorischen Karnevalsfetischisten in die zweite Liga ab. Natürlich als 16.!

Auch die aktuelle Bundesligasaison bietet ein gutes Beispiel dafür, was mit Überraschungsteams der Vorsaison passiert, wenn sie unter ungewohnten Erfolgen leiden, die sie zuvor in den Europapokal katapultiert hatten. Der "Glubb" aus Nürnberg zog letztes Jahr unter anderem über 96 ins DFB-Pokal-Finale ein und holte sich das klobig, goldene Trinkgefäß in Berlin. Was passierte logischerweise in der Folgesaison? Die Franken sicherten sich zwar die Teilnahme an der K.O.-Runde des UEFA-Cups, jedoch fehlten in der Liga die Punkte. Daher ist es wohl eine rhetorische Frage, auf welchem Platz der FCN zum Jahreswechsel 2007/2008 überwinterte: Natürlich wiederum als 16.!

Es scheint offenbar eine unheilige Beziehung zwischen dem Europapokal und dem 16. Platz in der Bundesliga zu geben. Dieses Schicksal droht nun auch den Roten, sollten sie ihre schnelle, erfolgreiche und teils auch schöne Spielweise nicht endlich auf das gewohnt grausame Gestokel der Vorjahre zurückfahren. Die 5:1-Niederlage in Cottbus war schon ein sehr hoffnungsvoller Ansatz zur Verschlechterung der Spielweise. Denn bei aller Liebe für den Europapokal: Auf die zweite Liga habe ich echt keinen Bock!