Hannover 96 punktet wieder

Sechs aus zwei

Hannover 96 hat die zurückliegende Englische Woche eindrucksvoll genutzt und konnte gegen zwei direkte Konkurrenten im Tabellenmittelfeld punkten. Die Niedersachsen besinnen sich endlich wieder auf ihre alte Stärken. Hannover 96 punktet wiederImago Nachdem die Hecking-Elf am Wochenende – zum 112. Vereinsgeburtstag – Eintracht Frankfurt mit 2:1 geschlagen hatte, erntete sie vier Tage darauf drei Zähler bei der Dortmunder Borussia. Nach einem zähen Frühjahr sind die „Roten“ somit wieder zurück in der Erfolgsspur.

Beinahe fünf Monate hatte es gedauert, bis Hannover 96 wieder auf fremdem Terrain gewinnen konnte. Zuletzt gelang dies am 15. Spieltag beim 3:0-Erfolg in Rostock. Sieben Auswärtsspiele später bezwangen die Niedersachsen vor 65.000 Zuschauern den BVB am Ort des alt-ehrwürdigen Westfalenstadions. Dortmunds Trainer Thomas Doll formierte seine Elf nach dem 0:5-Debakel in München gehörig um, indem er gleich fünf neue Kräfte in die Mannschaft einbaute. Darunter Amateurtorhüter Höttecke für den verletzten Ziegler. Eher wenig Bewegung gab es dagegen in Dieter Heckings Startaufstellung: Hanno Balitsch rückte für Frank Fahrenhorst ins Team, Arnold Bruggink ersetzte den gesperrten Sergio Pinto.

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Pinto soll den Verein verlassen

Apropos Pinto: Nachdem der deutsch-portugiesische Mittelfeld-Allrounder bereits am 18. Spieltag Hamburgs Nigel de Jong empfindlich zwischen die Beine trat, passierte ihm die gleiche Dummheit gegen Eintrachts Faton Toski noch einmal. Erneut sah Hannovers Nummer 7 die glatte rote Karte, worauf Montag eine relativ geringe Sperre von fünf Ligapartien folgte. Vereins-Boss Martin Kind bemerkte noch am Wochenende recht eindeutig, dass Hannover 96 den Maßstab, mit dem in der Vergangenheit Spieler anderer Klubs bewertet wurden, auch bei den eigenen Kickern anlegen sollte. Dabei spielte Kind auf die Begegnung bei Energie Cottbus an, dessen Verteidiger Vragel da Silva gegen Gaetan Krebs unsportlich den Ellenbogen ausfuhr. »Solch ein Spieler hat in der Bundesliga nichts zu suchen«, empörte sich Hecking damals. Am heutigen Donnerstag wird der 96-Coach gemeinsam mit Sportdirektor Hochstätter und Klubchef Kind über den Fall Pinto beratschlagen.

Auch wenn der Wiederholungstäter die letzten Tage reumütig über den Trainingsplatz trottete und sich entschuldigend »etwas einfallen lassen« wollte, deutet vieles auf die härteste aller Maßnahmen hin: Die 96-Oberen werden dem 27-Jährigen voraussichtlich nahe legen, am Saisonende den Verein zu verlassen. Angesichts der Tatsache, dass ein Spieler wegen zweier identischer Vergehen, die man nicht weiter bewerten muss, nahezu ein Drittel der Saison fehlt, wäre eine solche Entscheidung nachvollziehbar. Wahrscheinlich war’s das also für Pinto im Trikot der »Roten«, obwohl er am 34. Spieltag noch einmal auflaufen dürfte. Doch ausgerechnet gegen Cottbus genießt die eigene Glaubwürdigkeit freilich Priorität.

Kein einfaches Restprogramm

Zurück zum Sportlichen: In Dortmund ließ sich wie schon zu Hause gegen Frankfurt eine Qualität im Spiel von Hannover 96 beobachten, die zumindest für diese Saison bereits verloren schien: Die »Roten« zogen abgeklärt ihre Konter durch und entschieden beide Partien insgesamt durchaus clever für sich. Während die ersten beiden Tore beim schwarz-gelben Revierklub noch aus gewohnter Stärke bei Standard-Situationen resultierten, nutzte Szabolcs Huszti einen gefährlichen Tempogegenstoß, um zwölf Minuten vor Ende alle Zweifel am ersehnten Auswärtserfolg zu beseitigen.

Ähnliches gelang – wenn auch im Ergebnis deutlich glücklicher – vorigen Samstag Christian Schulz nach exzellentem Querpass von Vahid Hashemian. Wobei das 2:1 in der heimischen Arena vielleicht sogar noch wertvoller einzuschätzen ist. Heckings Truppe stemmte sich in Unterzahl gegen keinesfalls schwache Frankfurter zu einem im Endeffekt verdienten Erfolg.

Nach einer gelungenen Woche sind die Niedersachsen wieder in die obere Hälfte des Tableaus zurückgeklettert. Es gilt nun, die wiedergewonnene Kaltschnäuzigkeit zu kompensieren, um die letzten fünf Ligaspiele erfolgreich zu gestalten. Mit den Champions-League-Aspiranten Schalke 04 und Werder Bremen haben die »Roten« noch zwei schwere Auswärtsspiele auf dem Zettel. Dagegen müssen die abstiegsbedrohten Teams aus Cottbus, Rostock und aus Berlin noch an die Leine kommen. Realistisch gerechnet könnte Hannover 96 die 50-Punkte-Marke bis Mitte Mai also durchaus noch erreichen.