Hannover 96 bangt um Enke

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Hannover 96 muss um seinen Torwart Robert Enke bangen. Gerüchten zu Folge ist kein geringerer Verein als der FC Bayern München an den Diensten des Nationalkeepers interessiert. Für Ersatz wurde in Hannover bereits gesorgt. Hannover 96 bangt um EnkeImago »Enke vor Abflug zu Bayern?«, fragt die »Bild«-Zeitung spekulativ in ihrer heutigen Ausgabe. Auch nach Informationen der »tz« ist der Rekordmeister an einer Verpflichtung des 30-jährigen Torwarts von Hannover 96 interessiert. Der »kicker« berichtet von weiteren Kandidaten wie Bremen und Stuttgart. Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, wäre die sportliche Entwicklung der »Roten« empfindlich gestört.

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Zumindest die Boulevard-Blätter sehen eine Vielzahl an Indizien, die für einen sommerlichen Transfer an die Isar sprächen: Gestern vermeldete Hannover 96 die Verpflichtung von U21-Nationalkeeper Florian Fromlowitz. Der sagte in seinem ersten Interview in Hannover: »Ich komme nicht, um die Bank zu wärmen.« Zudem sieht sich das Torwart-Talent in der Tradition von Roman Weidenfeller, der, ebenfalls aus Kaiserslautern gekommen, nach Lehmann beim BVB die Nummer 1 wurde. »Das ist ein gutes Beispiel für mich.«

Wechselt Diego nun nach Hannover?

Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge haben dem tapferen Michael Rensing schon vor Jahren versprochen, nach Kahns Abschied zur ersten Wahl zwischen den Pfosten befördert zu werden. Klinsmann hat damit jedoch nichts zu tun. Stattdessen stellte er gestern mit Walter Junghans seinen neuen Torwart-Trainer für Bayern vor. Der war von 1999 bis 2001 unter Jupp Heynckes Torwart-Trainer bei Benfica Lissabon – mit Robert Enke als Kapitän. Zudem wurde neulich Paul Breitner am Hannoverschen Hauptbahnhof gesehen.  Enkes Berater Jörg Neblung sagte obendrein: »Robert wünscht sich natürlich, international zu spielen.« Und: »Ausschließen kann man in diesem Geschäft gar nichts.«

Trainer Dieter Hecking und Sportdirektor Christian Hochstätter gaben sich zu diesem Thema Donnerstag in Hannover wortkarg: »Es ist überhaupt nichts passiert«, raunte Hochstätter. »Es gibt keine Angebote für Robert.« Zu Fromlowitz’ forschen Aussagen sagte der Ex-Gladbacher: »Es ist schön, wenn ein junger Spieler mit Selbstbewusstsein nach Hannover kommt. Aber Florian Fromlowitz weiß genau, dass er bei uns der zweite Torwart ist und sich hinter Deutschlands Nummer 1 einreihen muss.«
Coach Hecking wirkte noch ein wenig desinteressierter und verstärkte seine Gefühlslage durch glasige Blicke ins Plenum: »Mit solchen Dingen beschäftige ich mich gar nicht. Wir könnten ja eben auch ’mal das Gerücht streuen, dass Diego nach Hannover wechselt.«

München würde Enke gut zu Gesicht stehen

Der betroffene selbst verschwand Donnerstag nach dem Training ebenso maulfaul wie zügig in der Geschäftsstelle (?!) der »Roten«. Ist nun etwas dran, an der Geschichte? Fest steht in jedem Fall: Wenn der designierte Deutsche Meister 07/08 Robert Enke haben will, kriegt er ihn auch. Der Vertrag bis 2010 spielte in so einem Fall die geringste Rolle. Darüber hinaus möchte Löws aktuelle Nummer 3 nach der EM sein Ziel im Nationalteam erreichen, indem er auch endlich offiziell der beste Keeper im Land wird. In München wäre er international auf höchstem Niveau gefordert und – was wohl noch wichtiger ist – er hätte nach 26 Spieltagen aller Wahrscheinlichkeit nicht bereits 42 Treffer kassiert.

Ins Bild passt außerdem, dass die Aussagen Heckings und Hochstätters sehr nach Business as usual klingen. Nach dem Motto: Erstmal worthülsengewandt dementieren. Wenn’s akut wird, haben wir doch keine Chance. Ein tatsächlicher Abgang Enkes würde Hannover 96 freilich derb treffen. Er ist in allen Belangen der wichtigste Stützpfeiler der Niedersachsen – auf und neben dem Platz. Robert Enke genießt in der ganzen Liga Respekt und Wertschätzung, er wurde von seinen Kollegen in Serie zum Besten seiner Zunft gewählt und ist nicht zuletzt deshalb der bedeutendste Angestellte bei den »Roten«. Dabei ist er stets seriös und bescheiden geblieben.

Hannovers Nummer 1 ist die elementarste Säule im Team. Sollte diese wegbrechen, wäre die »positive Entwicklung«, die im Verein bei jeder Gelegenheit gelobt wird, empfindlich gestört.