Hammarby-Fans gehen auf die Straße

Nehmt das, ihr Terroristen!

Die Fans des Stockholmer Klubs Hammarby IF zeigten die bestmögliche Reaktion auf das IS-Attentat in ihrer Stadt. Sie gingen auf die Straße. Friedlich. Und fröhlich.

imago

Eigentlich gehört dieser Marsch zur Normalität in Stockholm. Jahr für Jahr treffen sich vor dem ersten Saison-Heimspiel rund 10.000 Hammarby-Fans und gehen gemeinsam zum Stadion – quer durch die schwedische Hauptstadt, von Södermalm bis nach Johanneshov. Nur: Diesmal gab es keine Normalität in Stockholm. Das »Venedig des Nordens« war gerade von einer grässlichen Terror-Tat heimgesucht worden. Ein islamistischer Fanatiker war mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge und anschließend in ein Kaufhaus gerast. Vier Menschen starben, 15 wurden teils schwer verletzt.

»Wir weichen nicht zurück!«

Zwei Tage später traf Hammarby daheim auf Kalmar FF. Die schwedische Liga hatte schnell signalisiert: Alle Spiele finden statt! Man wolle sich dem Terror nicht beugen. Aber – ein Fanmarsch quer durch die Stadt? In dieser Situation? Das schien selbst den führenden Köpfen der Hammarbyer Fanszene fehl am Platze. Doch dann dachten sie um und verkündeten auf allen Kanälen: »Wir weichen nicht zurück!« Und, siehe da: In diesem Jahr kamen sogar weit mehr als 10.000 und machten den Zug zum Stadion zu einer beeindruckenden Demonstration für Frieden, Freiheit, Fröhlichkeit und Toleranz.

Zum Gesicht des positiven Protests gegen den Terrorismus wurde – ein Muslim: Hammarby-Star Jiloan Hamad (27, ehemals TSG Hoffenheim) hatte im Vorfeld öffentlich erklärt: »Wir müssen unser Leben fortsetzen, uns gegenseitig an die Hand nehmen und positiv sein. Klar, dass viele sich auch über die Risiken durch den Terrorismus Gedanken machen. Aber ich glaube, dass der Marsch und das anschließende Match eine gute Art sind, alle bösen Gedanken zu verdrängen. Zusammen sind wir stark.«

Hamads Familie stirbt

Es waren einerseits Hamads Worte, die die Menschen bewegten. Doch so (oder ähnlich) hätte auch jeder Politiker sprechen können. Noch mehr war es Hamads persönliche Geschichte, die ihn zum glaubhaften Friedensbotschafter machte. Hamad ist nämlich ethnischer Kurde aus dem Nordirak. Sein Vater Mohammed kämpfte einst gegen die Schärgen des Diktators Saddam Hussein und gegen die grausame Unterdrückung der kurdischen Minderheit im Land. Später flohen die Hamads über Aserbaidschan und Russland nach Schweden. Jene Verwandten, die weiter im Nordirak leben, kämpfen heute noch – gegen den IS, der auch hinter dem grausamen Anschlag in der Stockholmer Innenstadt steckt.

Die Bilder von den Leichen auf dem Prachtboulevard Drottninggatan haben sich vielen Schweden ins Gedächtnis eingebrannt. Jiloan Hamad wusste schon vorher, was es bedeutet, geliebte Menschen durch sinnlose Gewaltakte zu verlieren. »Meine beiden Cousinen waren frisch verheiratet und hatten gerade Babys bekommen, da gingen ihre Männer aus dem Haus. Einer kehrte nicht mehr zurück. Viele weitere Verwandte und Freunde meines Papas starben ebenfalls. Das beschäftigt mich natürlich ungemein«, erzählt der sechsmalige schwedische Nationalspieler.