Haben Sie Mitleid mit Mario Gomez, Max Kruse?

»Die Pfiffe sind Quatsch«

Trotz einer starken Saison 2013/14 durfte Max Kruse nicht mit zur WM. Der Frust ist überwunden, nun will der Stürmer aus Mönchengladbach angreifen. Ein Interview über das Pokern, die Europa League und Mario Gomez.

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Max Kruse, während im Sommer die WM lief, haben Sie äußerst erfolgreich an einem großen Poker-Turnier in Las Vegas teilgenommen. Wie war’s?
Das war richtig cool. Es tat gut mal rauszukommen. Wir Fußball-Profi beschäftigen uns ja fast das ganze Jahr ausschließlich mit dem eigenen Sport. In den USA bin ich auf andere Gedanken gekommen, auch weil man relativ unerkannt unterwegs sein konnte.

War diese Anonymität beim Pokern auch noch gegeben?
Bis ich am »Final Table« saß, hat mich tatsächlich kaum jemand erkannt. Dann wurde es natürlich ein bisschen mehr, aber es hielt sich im Rahmen. Es war auf jeden Fall schön mal seinem Hobby in einem Land nachgehen zu können, in dem Fußball nicht an erster Stelle steht.

Ihr Sommer hätte auch anders verlaufen können. Viele Experten hätten mit Ihrer Nominierung für die WM gerechnet, Joachim Löw verzichtete aber auf Sie. Ist der Frust schon abgeklungen?
Ich denke gar nicht mehr darüber nach. Was bringt es mir auch? Die Weltmeisterschaft ist vorbei, wir haben den Titel geholt. Damit ist das Thema abgeschlossen. Es ist doch auch so: In der letzten Woche fanden schon wieder zwei Länderspiele statt, wir diskutieren wieder über ganz andere Dinge. Daran sieht man doch wie schnelllebig unser Geschäft ist.

Die Nationalmannschaft sucht nach dem Rücktritt von Miroslav Klose händeringend nach Stürmern. Sehen Sie darin nicht auch Ihre Chance?
Miro war ein außergewöhnlicher Stürmer, jetzt sind andere gefordert. Es ist doch klar, dass in einem fußballverrückten Land wie in Deutschland über die Position des Sturmführers diskutiert wird. Ich möchte mich an der Debatte aber nicht beteiligen. Für mich zählen aktuell nur die anstehenden Aufgaben bei Borussia Mönchengladbach.

Aber Sie haben mit der Nationalmannschaft doch noch nicht abgeschlossen, oder?
Warum sollte ich? Ich weiß, dass ich einen guten Fußball spielen kann. Also gilt es meine Leistung in der Bundesliga und im Europapokal zu zeigen. Alles andere entscheidet der Bundestrainer...

In der vergangenen Woche wurde Mario Gomez vom Länderspiel-Publikum wegen vergebener Torchancen ausgepfiffen. Wie nimmt man das als Sturm-Kollege wahr?
Für die Pfiffe habe ich überhaupt kein Verständnis. Natürlich ist man als Fan sehr emotional dabei, über eine solche Reaktion muss man aber nachdenken. Mario Gomez hat seine Qualitäten in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt. Dass er nach fünf, sechs Monaten Pause nicht direkt wieder am Fließband trifft, ist doch ganz normal.

Hatten Sie Mitleid mit Gomez?
Ich weiß nicht, ob Mitleid das richtige Wort ist. Wir sind gerade Weltmeister geworden, da sind Pfiffe im ersten Heim-Länderspiel nach der WM totaler Quatsch.