Größenwahn in der Kreisliga: Der BC Harlekin Augsburg

Der WM-Star in der Provinz

Für Auswärtsspiele schaffte Eiba eigens einen Fan-Bus an und ließ ihn aufwen­dig lackieren. Die aufgebrachten Motive begannen alle mit »H«: Harlekin und Haller. Einmal diente das Gefährt so­gar dazu, die gegnerischen Fans abzuholen. Die Folge: Schon beim Passieren der Stadtgrenze war das Bier an Bord leer. Eiba besorgte Nachschub. Es war eine freundschaftliche Geste und eine imagefördernde Maßnahme.

Dabei bedeutete das Projekt für viele Mitbewerber, dass sie ihre Aufstiegshoffnungen begraben konnten. Schon zur Hälfte der Saison stand der BC Harlekin mit 28:0 Punkten und 86:9 Toren an der Spitze. Die Promi Truppe war einfach zu stark für die Liga. Sie suchte nach neuen Herausforderungen im DFB-Pokal. Zum Spiel gegen den FC Haunstetten, Spitzenreiter zwei Klassen weiter oben, mietete Eiba den größten Bierwagen von »Löwenbräu«, der vorher nur auf dem Oktoberfest in München zum Einsatz gekommen war. Vor dem Spiel spielte ein Blasorchester, hinterher wurde ein Feuerwerk gezündet. Und zwischendurch gewann die Elf mit 9:1.

Ein Star in einer bizarren Lederjacke mit Fransen

Höhepunkt der Saison war das Pokalspiel gegen den Bezirksligisten TSV Königsbrunn. Ein Ostermontag, den die Augsburger Fußballfans nie mehr ver­gessen sollten. Eiba präsentierte als Neuzugang keinen Geringeren als Francisco Marinho. Der Star der brasilianischen WM-Elf von 1974 sah mit seinen langen blonden Haaren noch fast genauso aus wie 13 Jahre zuvor. Wenn man genauer hinschaute, sah man, dass er körperlich nicht mehr in der Lage war, ambitioniert Fußball zu spielen. Marinho kam nicht nur in einer bizarren Lederjacke mit Fransen nach Augsburg, sondern auch ohne Gepäck. Der 54-fache Nationalspieler hatte ein Drogenproblem.

Der Transfer wurde trotzdem zu Eibas größtem PR-Coup. Zu Marinhos erstem Spiel kamen über 2000 zahlende Zuschauer. Die Partie auf dem Sportplatz Haunstetten wurde wegen des Gedränges mit dreißig Minuten Verspätung angepfiffen. Marinho blieb nur ein paar Monate, aber die Schlagzeilen waren prächtig. Werbegenie Eiba flog kurzerhand nach Jamaika und brachte von dort einen Nationalspieler mit. Der Wirbel, den er erzeugte, wurde nun erstmals auch außerhalb Augsburgs registriert. Die »Welt am Sonntag« titelte: »Deutschlands verrücktester Fußballverein«. Die »FAZ« bemerkte: »Hinter der Harlekin-Maske verbirgt sich ein Augsburger Fußballnarr.« Und die »Abendzeitung« schrieb: »Er will doch nur ein bisschen Liebe.«

Jungmanager Veh und seine Ideen

Eiba erlebte während der Saison 1986/87 die Zeit seines Lebens. Wenn sie wieder gewonnen hatten, wurden sie vom lokalen Großraumdisko-Betreiber eingeladen, als wären sie eine Profitruppe. Sie gingen danach immer in Roland Bocks »Rock-Fabrik«. Zum 34. Geburtstag von Marinho wurde dort die Geburtstagstorte aufgetischt. Finanzier Eiba konnte einfach nicht genug kriegen. Er feierte auch bei einem zweistelligen Sieg das letzte Tor wie das erste. Er schnellte jedes Mal hoch wie ein Katapult, erinnern sie sich bis heute in Augsburg. Für ihn hätte es ewig so weitergehen können. Und das wäre es wohl auch, wenn nicht der Jungmanager mit seinen Ideen dazwischen gekommen wäre.

Mit Armin Veh hatte Eiba einen echten Fachmann installiert. Gemeinsam mit den Leistungsträgern aus dem Team überzeugte der Manager den begeisterungsfähigen Mäzen im Sommer 1987, ein paar Spielklassen zu überspringen, indem man sich dem Bezirksligisten TSV Schwaben anschloss. Das Fernziel Bundesliga erschien von dort schneller erreichbar, als über die B- und A-Klasse.

Über Schwaben Augsburg zum FC Augsburg

Doch auch dort hielten es Eiba und seine Promitruppe mit ihren großen Ambitionen nicht lang aus. Vom TSV Schwaben Augsburg, wo sie mit dem halben Harlekin-Team über die Landesliga in die Bayernliga aufstiegen, ging es weiter zum FC Augsburg. Dort verpflichtete Eiba nacheinander Ex-Profis wie Jimmy Hartwig und Dieter Schatzschneider als Trainer – aber das ist eine andere Geschichte. Als er den FCA im Sommer 1990 verließ, war der Traditionsverein schuldenfrei, und sein Freund Armin Veh, der spätere Meistercoach, trat dort seinen ersten Trainerposten an. Er blieb fünf Jahre beim FC Augsburg und wurde schließlich der einzige Harlekin, der es tatsächlich in die Bundesliga schaffte. Ex-Mäzen Eiba sagt heute: »Ich war glücklich, Armin Veh damals von meinem Projekt überzeugen zu können. Er war ein Glücksgriff für mich, aber auch für ihn war es eine Bereicherung.«

Spuren in der großen Fußballwelt, das wissen wir jetzt, hat der Trainer des VfB Stuttgart schon damals hinterlassen. Ihm gelang es im Sommer 1987 zwar nicht, Weltstar Pelé von einem Wechsel zum BC Harlekin zu überzeugen. Die Kuckucksuhr, die ihm Veh damals in die Hand drückte, hängt allerdings bis heute beim Brasilianer. Sagt Peter Eiba.