Größenwahn in der Kreisliga: Der BC Harlekin Augsburg

Ex-Profis in der C-Klasse

Es war ein absolutes Novum in Deutschland, dass Bundesliga-Spieler bei einem C-Klassen-Verein anheuerten. Der Grund: Eiba versorgte sie nebenher mit einer gutdotierten Tätigkeit im Spielautomaten-Geschäft. Buschmann verdiente in seiner Funktion als Automatenaufsteller plötzlich 3000 Mark netto im Monat, in Solingen war er als Zweitliga-Profi nur auf 1700 Mark gekommen. Spieler wie Kindermann oder Manfred Tripbacher ergriffen die Chance, sich in der alten Heimat eine berufliche Existenz aufzubauen. In Braunschweig hatten sie leichtfertig in Bauherrenmodelle investiert und damit viel Geld verloren.

Zum Technischen Direktor machte der Spielhallen-König den größten Fußballer, den Augsburg je hervorgebracht hat: Helmut Haller, Vizeweltmeister von 1966, der jahrelang erfolgreich in Italien gespielt hatte, stand inzwischen als Fachverkäufer in der Steingasse an der Kasse. Eiba offerierte dem 47-Jährigen die beste Werbefläche, die er im Angebot hatte. Der BC Harlekin warb auf seiner Trikotbrust fortan für Hallers Damen-Boutique »La Bionda«.

Champagner bei Pressekonferenzen

Nicht nur die ökonomische Perspektive überzeugte Haller. Er bemerkte, dass »der Harlekin« auf Profiniveau agierte. Zwar fehlte es an einer Jugendabteilung und einem eigenen Fußballplatz – doch die Infrastruktur sollte sukzessive entstehen. Der Glücksspielklub leistete sich im Gegensatz zu vielen Profiklubs jedoch einen hauptamtlichen Manager, Mas­seur und Mannschaftsarzt. Haller prophezeite: »Der BC Harlekin ist die neue Kraft im Augsburger Fußball.«

Trainiert wurde das Team drei­mal in der Woche von Keeper Albert Zettler, der zuvor in der 2. Liga für den FC Augsburg aktiv gewesen war. Eiba hatte als Sponsor zu­vor auch beim größten Klub der Stadt mitgemischt. Der Platzhirsch FCA versäumte es aber, dem Unternehmer eine adäquate Plattform zu schaffen. Die Funktionäre nahmen das Geld gerne, fürchteten sich aber vor seinem wachsenden Einfluss und dem negativen Image des Glücksspielgewerbes. So zog es Eiba also weiter – zunächst zum Damen-Volleyball und schließlich zum Kreisliga-Fußball. Er selbst verstand sich als »Sportförderer«, doch er war eher ein verträumter Lebemann als ein knallharter Investor. Bei Pressekonferenzen ließ er Champagner servieren.

Inspiration in Übersee

Mit seinen Marketingideen ei­ferte er Günter Mast von Eintracht Braunschweig nach. Der Jägermeister-Boss war gerade vor den Bundesgerichtshof gezogen, um den Meister von 1967 nach seinem Kräuterlikör zu benennen. Kleiner Unterschied: Während der SV Jägermeister letztlich nicht zustande kam, erkannte der DFB den BC Harlekin ohne Schwierigkeiten an. Das Glück für Peter Eiba: Im Handelsregister war nur er selbst eingetragen, nicht aber die Marke »Harlekin«. Dass die Werbefigur über den Türen aller Spielhallen leuchtete, fiel den Frankfurter Juristen offenbar nicht weiter auf.

Der »Bundesligaverein in der C-Klasse«, wie sich Eiba gerne ausdrückte, produzierte eigene Fanartikel: Aschenbecher, Feuerzeuge, Sektgläser, Biergläser und Autoaufkleber wurden mit dem Harlekin bedruckt. Später folgten Autogrammkarten – alles in der 8. Liga. Seine Inspiration holte sich der Macher in Braunschweig und in Übersee. Einmal schlenderte Eiba durch Disneyland und stieß auf eine fünf Meter große, sprechende Puppe. Zurück in Augsburg engagierte er einen Künstler, der einen solchen Harlekin modellieren sollte.

Sogar im Kino liefen Harlekin-Spots

Der Versuch aber misslang. Der Künstler bekam die Figur nicht so hin, wie Eiba sie aus Florida in Erinnerung hatte. Die Proportionen stimmten nicht. So blieb den Zuschauern das oberschwäbische Pendant des Grotifanten letztlich erspart. Dafür überzog Eiba die ganze Stadt mit dem Harlekin-Logo. Durch Augsburg fuhren Lautsprecherwagen und Straßenbahnen mit seiner Werbung. Ging man ins Kino, liefen dort Harlekin-Spots.

Er ließ eine eigene Radiosendung und eine Stadtzeitung erstellen. Mittags standen die Street-Teams vor den Berufsschulen, abends vor den Krankenhäusern. Einmal wartete die komplette Mannschaft morgens um sechs vor den Werkstoren von MAN, um für das nächste Heimspiel zu werben. Das Guerilla-Marketing wirkte: Die Fans kamen in Scharen zum Kreisligaklub, selten waren es weniger als 600. Gegen Klubs wie den TSV Straßberg betrug der Eintritt drei Mark, die Leute waren froh, dass endlich mal etwas los war in der Stadt.