Greuther Fürth bleibt unten

Der Fluch der guten Tat

Greuther Fürth wird es wieder nicht schaffen, der Traum von Liga eins – er wird ein weiteres Jahr nur ein Traum bleiben. Platz fünf steht nun da, und der geneigte Fußball-Fachmann wird denken: »Gewohnheitssache!« Greuther Fürth bleibt untenImago Es waren – mal wieder – die Wochen der Wahrheit im Mai. Die Spielvereinigung Greuther Fürth trat am 30. Spieltag, mit einer perfekten Ausgangslage im Gepäck, zum Spiel gegen die Zebras aus Duisburg an. Man wollte auf die Mainzer aufschließen, die bereits einen Tag zuvor mit einem Dreier den zweiten Tabellenplatz gefestigt hatten. Das Ergebnis für die Fürther war ernüchternd: 2:0 hieß es nach 90 Minuten, der Relegationsplatz war futsch. Doch es blieben ja noch vier Spieltage, an denen die Möhlmann-Elf gegen die direkte Konkurrenz ihre Aufstiegsambitionen untermauern konnte.

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Nun – einen Spieltag vor dem Ende der Saison 2008/2009 – bleibt festzuhalten: Greuther Fürth wird es wieder nicht schaffen, der Traum von Liga eins – er wird ein weiteres Jahr nur ein Traum bleiben. Platz fünf steht nun da – der geneigte Fußball-Fachmann wird denken: »Gewohnheitssache!« Denn schaut man in die jüngere Vergangenheit des Bundesliga-Unterhauses, stehen dort sechs fünfte Plätze in den letzten neun Spielzeiten. Lediglich in der Saison 2003/2004 kam das Team nicht über einen neunten Platz in der Endabrechnung hinaus, man schwebte gar eine ganze Zeit lang in akuter Abstiegsgefahr. Und auch im letzten Jahr wurde es nur der sechste Rang nach 34 Spieltagen. Doch diese beiden Spielzeiten sind Ausnahmen.

Auch Möhlmanns dritter Anlauf scheitert

In der letzten Dekade ist der dienstälteste Zweitligaklub Abonnent auf den fünften Tabellenplatz. Die Gedanken an den Aufstieg verleihen den Grün-Weißen lahme Beine und lassen den Traum zum Albtraum werden. In den vergangenen neun Jahren scheiterten sieben verschiedene Trainer an der Mission Aufstieg. Der derzeitige Coach Benno Möhlmann versucht sich mittlerweile zum dritten Mal an der scheinbar unlösbaren Aufgabe, die Mittelfranken in die erste Liga zu leiten. Vor vier Jahren, zu Möhlmanns zweiter Amtszeit bei den Kleeblättern, rangierte man 25 Spieltage auf einem Aufstiegsrang. Damals wie heute ging dem Team die Puste aus. Möhlmann glaubte an den Siegeszug seines Teams um Torjäger Allagui, das in dieser Saison zehn Spieltage auf einem der ersten drei Plätze stand. »Fürth ist so selbstbewusst, dass es in der Bundesliga durchaus Fuß fassen kann«, schwärmte der Coach vor den Wochen der Wahrheit. Den Ruf als »die Unaufsteigbaren« hält er genau wie sein Präsident für »albern. Wer in diesem schnelllebigen Fußballgeschäft immer etwas aus den letzten Jahren herausholen will, tut mir leid«, so der Coach weiter.

Dennoch muss es einen Grund für das ewige Scheitern der glücklosen Kleeblätter geben, ein entsprechender Erklärungsversuch ist jedoch schwer zu finden. Stichwort »Chancenverwertung«: In dieser Saison stellt Fürth im Verbund mit Freiburg den zweitbesten Sturm der Liga. Doch ausgerechnet im Saison-Endspurt ging Allagui, Reisinger und Co. die Luft aus. So auch im »Endspiel« gegen Mainz, als beste Chancen vergeben wurden. Reisinger zeigte sich enttäuscht: »Am Ende entscheiden oft ein, zwei Situationen. Wenn wir getroffen hätten, wäre wohl alles anders gelaufen.« Die entscheidenden Situationen, die Nerven, die Torausbeute – allesamt Gründe für das Scheitern der Kleeblätter. Seit dem 30. Spieltag, die Phase, die über den Aufstieg entscheidet, traf die Abteilung Offensive nur ein einziges Mal ins gegnerische Gehäuse. Zu wenig, um einen Angriff auf Liga eins zu starten.

»Ein Übertraum vom Übertraum«

Hinzu kommt das Stichwort »Ausbildungsverein«. Oft wird vergessen, dass die heutigen Nationalspieler Heiko Westermann und Roberto Hilbert die Schule der Spielvereinigung im Mittelfränkischen genossen haben. Genau aus diesem Umstand erklärt sich auch Präsident Helmut Hack das immer währende Scheitern: »Für uns ist das der Fluch der guten Tat, dass wir seit nunmehr 13 Jahren in der zweiten Liga sind und trotz bescheidener Rahmenbedingungen wirtschaftlich so gut über die Runden kommen. Wir fangen fast jedes Jahr von vorne an, weil wir immer wieder Spieler verkaufen müssen, um überleben zu können. Wer ein bisschen nachdenkt, nimmt das Wort unaufsteigbar nicht in den Mund. Sondern fragt uns: Wie kriegt Ihr das nur immer wieder hin?!«

Aber auch ein weniger netter Umstand kommt zum Tragen – Stichwort »Unprofessionalität«: Als es am 21. Spieltag gegen die TuS aus Koblenz zum Auswärtsspiel ging, blieb der Stollenkoffer zu Hause, so dass die Spieler auf dem rutschigen Geläuf keine Standfestigkeit hatten und sich eine deftige 0:3-Klatsche abholten. Untragbar für einen Klub, der den Anspruch erhebt, in die Beletage des deutschen Fußballs aufzusteigen.

Es bleibt festzuhalten, dass die SpVgg Greuther Fürth die Gründe bei sich selbst suchen muss, um eine Erklärung für das Abonnement auf den fünften Platz zu erklären. Natürlich spielen auch eine Portion Pech und unglückliche Umstände in das Schicksal der Kleeblätter eine Rolle. Doch sind durchaus Gründe zu finden, warum der »Übertraum vom Übertraum« des Präsidenten Hack nur eine Träumerei bleibt, und Greuther Fürth im nächsten Jahr den nächsten Angriff starten muss, um dem Fluch des fünften Platzes zu entkommen.