Gladbach-Bayern in der Spielanalyse

Ganz starker Christoph Kramer

Gladbachs 4-4-2-System war keine revolutionäre taktische Idee, schon andere Bundesliga-Teams haben sich mit diesem System an den Bayern versucht. Und sind gescheitert. Favres Team hingegen ist mittlerweile auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt: Das Verschieben im eigenen System funktioniert perfekt, sie lassen fast nie Lücken entstehen. Kaum ein Team steht defensiv so gut wie die Gladbacher.

34 Bayern-Flanken - doppelt so viele wie sonst

Der zweite Schlüssel zum Gladbacher Erfolg ist die Spielstärke. Das mag zunächst merkwürdig klingen, ob eines Ballbesitzanteils von 30 Prozent. Vielmehr ist damit gemeint, dass die Mannschaft von Lucien Favre sich gut aus dem gefürchteten Münchener Gegenpressing befreien konnte. Auch hier tat sich Kramer hervor, der enorm ballsicher war. Aber auch Raffael bewegte sich als hängender Stürmer sehr gut und schaffte sich Freiräume im offensiven Mittelfeld, von wo aus er die schnellen Außenstürmer bediente.

Hier zeigte sich, dass Favre seine Gladbacher in den vergangenen Jahren auch spielerisch weiterentwickelt hat. Konterstark sind die »Fohlen« allerdings schon seit dem ersten Jahr unter Favre – das mussten die Münchener am eigenen Leib erfahren. Häufig musste Manuel Neuer in größter Not retten.



Allerdings haben die Münchener in dieser Saison hingegen schon bessere Spiele abgeliefert: Insgesamt zeigt Guardiolas Auswahl zu wenig Bewegung um den Strafraum herum, zu oft griffen Lahm und Co. auf harmlose Flanken zurück. Gegen Gladbach schlugen sie davon 34, in den Bundesliga-Partien zuvor durchschnittlich nur 17.

Fast wie in den goldenen Siebzigern

Nach der Pause sicherten die Bayern Konter und vor allem Spielverlagerungen schlecht ab – ein Problem, das vor allem vergangene Saison auftrat, aber eigentlich behoben schien. So war das Münchener Gegenpressing weniger griffig, gleichzeitig fand Gladbach zu eigener Spielstärke und schlug weniger lange Bälle.

Fazit Endlich hat es mal wieder ein Team geschafft, 90 Minuten lang mit den Bayern auf Augenhöhe zu spielen. Fast so wie in den siebziger Jahren. Nur eines stimmte nicht: Ein torloses Unentschieden haben beide Mannschaft damals nicht ein einziges Mal produziert.