Geschlechterrollen in Fanszenen

Kicks für alle

Fußball und Fanszenen sind noch immer von einem traditionellen Männerbild dominiert. Eine neue Studie zeigt: Das führt mitunter zu Gewalttaten – und auch zu sexuellen Übergriffen.

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»Wenn de bekannt bist, biste wer. Doch bevor de wer bist, mußte erst wat gezeigt ham«, erklärte ein Schalker Fan die Hackordnung innerhalb der Gruppe. Was zeigen - Mutproben, Polizisten provozieren, Schlägereien anzetteln, verfeindete Fans »einsacken«. Fetter, Baller, Chaoten-Karl und wie die verrohten Fanatiker sonst noch heißen.«

So steht es in einem Zustandsbericht der deutschen Fanszenen aus dem »Stern«, erschienen ist er im Oktober 1982. Zwar sind 34 Jahre später die Spitznamen nicht mehr ganz im aktuellen Trend, das beschriebene Phänomen allerdings hat sich nicht allzu grundlegend verändert. Robert Claus von der KoFaS (Kompetenzgruppe Fankulturen und sportbezogene soziale Arbeit) sagt: »Gewalt ist noch heute ein Mittel, um sich in Fanszenen zu beweisen. Fans versuchen vor allem den Anforderungen an das Männlichkeitsprofil gerecht zu werden. Damit verknüpft sind Begriffe wie Ehre, Tradition, Härte.«

Claus hat zusammen mit seinen Kolleginnen Franziska Wölki-Schumacher und Cristin Gießler eine 150 Seiten starke Studie erarbeitet über »Geschlechterverhältnisse in Fußballfanszenen«. Sie untersuchten dabei die Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit in den Fanszenen, aber auch den Umgang mit Homo- und Transphobie. Für diese Studien haben die drei ausführliche Interviews mit Personen aus der aktiven Fanszene, vorrangig Ultras, geführt. Claus sagt: »Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem männlichen Rollenbild und der Gewalt im Fußball.«

Diskussionsrunde und Präsentation am Donnerstag in Berlin

Ein Thema, das bislang noch nicht im öffentlichen Fokus stand, ist die sexuelle Gewalt in Fanszenen. In den Interviews zur Studie berichteten die Befragten anonym von Belästigungen von Frauen während der Auswärtsfahrten, auch von sexuellen Übergriffen. Das Projekt »Kicks für alle« setzt sich für den Abbau von Sexismus und Homophobie ein, die Studie wurde in diesem Rahmen veröffentlicht.

Am Donnerstag wird sie einem breiteren Publikum in Berlin vorgestellt. Interessierte können kostenlos vorbeischauen, um 18 Uhr geht es in der Friedrich-Ebert-Stiftung (Hiroshimastraße 17) los. Nach der Präsentation der Ergebnisse folgt eine Podiumsdiskussion mit Gerd Wagner von der KOS (Koordinationsstelle Fanprojekte), der Journalistin Nicole Selmer und Heike Radvan von der Amadeus Antonio Stiftung.

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