Gegen den modernen Fußball

Es gibt nur einen Günther Schäfer

Der deutsche Fußball hat bislang einen Günther Schäfer hervorgebracht: Die fliegende Grätsche vom VfB Stuttgart. Doch nun schickt sich der SV Wehen an, einen zweiten Günter Schäfer zu etablieren. Dazu kann es nur eine Haltung geben: dagegen. Imago Wenn in Bezug auf Fußball bislang über Günther Schäfer gesprochen wurde, dachte man stets an den ehemaligen Verteidiger des VfB Stuttgart. Schließlich durfte „Eisen-Günne“ gleich zwei Deutsche Meisterschaften mit dem VfB feiern: 1984 und 1992. Für die eifrigsten Anhänger im Schwabenländle war jener Günther Schäfer sogar der Grund, die gesamte Fallrückzieherkunst von Klaus Fischer (Deutschland - Frankreich, 1982) in Frage zu stellen. Sie rühmen stattdessen bis heute die spektakulärste Rettungsaktion Schäfers als „unvergessen“ (Quelle: Wikipedia). Mittels nicht für möglich gehaltener Akrobatik verhinderte der im finalen Spiel bei Bayer Leverkusen einen sicheren Gegentreffer. Diese Meisterleistung erhob ihn an diesem Nachmittag vor 15 Jahren sogar über Guido Buchwald, dessen Beiname damals immerhin „Fußballgott“ war.

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Die Süddeutsche Zeitung wird mit Grund dafür gelobt, dass sie für ihr „Interview der Woche“ zuverlässig interessante Zeitgenossen findet. Zwangsläufig stammen diese ziemlich häufig aus der weiten Fußballwelt. Befragt wurde am vergangenen Wochenende – Günther Schäfer. Es handelte sich dabei allerdings nicht um den ehemaligen Schnurbartträger, Marke „leichter Flaum“, sondern um den Fanprojektleiter des prosperierenden Zweitliga-Aufsteigers SV Wehen. Ein wenig lexikalischen Grundwissen sei dazu repetiert: Wehen ist der drittgrößte Ortsteil des Stadtgebildes Taunusstein und hat laut gut unterrichteter Quellen zurzeit 6710 Einwohner. Das spektakuläre Emporkommen aus der sportlichen Bedeutungslosigkeit verdankt der Dorfverein vor allem seinem Mäzen Heinz Hankammer. Der 75-jährige Fabrikant hat während der letzten Jahrzehnte Millionen mit seinem „BRITA“-Wasserfilter verdient; ist laut seinem Fanprojektleiter heutzutage nicht weniger als „Weltmarktführer“. Ob beim möglichen Zweitligakonkurrenten vom FC St. Pauli schon „Weltmarktführerbesieger“-T-Shirts gedruckt werden?

Schäfer ließ sich in dem Interview entlocken, dass es beim SVW „nur einen einzigen Fan-Klub mit rund 40 Mitgliedern“ gebe. Die Ultras „Psychopathen Wehen 99“ hätten sich dagegen gerade erst aufgelöst, weil sie den geplanten Umzug in das neu errichtete BRITA-Stadion in Wiesbaden für zu kommerziell halten. Wir können uns das lautstarke Aufatmen aus den Gemarkungen Kaiserslautern, Mönchengladbach und Köln vorstellen. Die bereits angedachten Sicherheitskonzepte, die an die Schily-Doktrin vor der WM 2006 gemahnten, können nun wieder eingedampft werden. Günther Schäfer, der Jüngere, hält derweil gar nichts von Wasserfiltern. Er hat gerade ein eigenes Bier auf den Markt gebracht. Wer am 34. Spieltag auf die Meisterschaft des VfB anstoßen will, sollte sein „Günne´s“ jetzt schon ordern. Das Etikett zeigt ihn als Jungspund, mit lichten Haaren auf der Oberlippe. Schön war die Zeit…