Gefallene Großklubs: Rayo Vallecano

Zu viel Risiko?

Rayo Vallecano hielt sich bis zur Spielzeit 2015/16 mit dieser Strategie in La Liga mehr als nur über Wasser. In Pacos Debütsaison erspielten sie sich einen sensationellen achten Tabellenplatz. Insbesondere gegen Teams aus ähnlichen Tabellenregionen punkteten sie konstant, wenngleich Rayo eigentlich nie die besseren Einzelspieler aufs Feld schickte.

Auch außerhalb des Platzes bildeten sie ein starkes Kollektiv. Hierzulande kann man den spanischen Verein am ehesten mit dem FC St. Pauli vergleichen. Es sind beide besondere Clubs, die sich vor allem gesellschaftlich und politisch für Benachteiligte einsetzen. So beschloss Rayo im Jahr 2014 einer 85-jährigen Anhängerin die Miete bis an ihr Lebensende zu zahlen, da sie selbst dafür nicht mehr aufkommen konnte. Weiterhin setzte man mit dem Design des Auswärtstrikots der letzten Saison ein Zeichen gegen Homophobie und Ausgrenzung und spendete jeweils sieben Euro pro verkauftes Trikot für soziale Zwecke.

Zu viel Risiko?

Dass man in der letzten Saison nach fünf Jahren in die Segunda División absteigen musste, lag in gewissen Teilen an der Spielweise, die in vielen Duellen nicht den Erfolg wie in den Jahren zuvor brachte. Zudem griffen die Transfers nicht so wie in den vorherigen Spielzeiten. Der Ideenreichtum Pacos und der Mut gingen in dieser Saison nach hinten los. Enge Spiele wurden nicht mehr zu den eigenen Gunsten entschieden. Zudem dezimierte man sich zehnmal in der Saison selber und wurde in der Fairness-Tabelle Vorletzter. Nicht, dass die Truppe aus Holzhackern bestanden hätte – es war oftmals die riskante Spielweise, die Verteidiger zur Notbremse an der Mittellinie zwang.

Am Saisonende verließ Paco Jémez den Verein in Richtung Granada. Sein Abgang stellt einen Verlust dar, von dem sich der Verein wohl nicht mehr so schnell erholen wird. Aktuell gurkt man im grauen Mittelfeld herum, ohne Chance auf baldigen Wiederaufstieg.

Rayo Vallecano war über einen kurzen Zeitraum eine der sympathischsten Mannschaften Europas. Sie stellten als Mannschaft Oberflächlichkeiten wie Marktwert oder Prestige beiseite und machten einfach das, was sich die kleinen Vereine insbesondere aus der Bundesliga zum Vorbild nehmen sollten: sie spielten Fußball. Spielkultur hat nichts mit Geld zu tun, sondern mit Konsequenz und Mut. Schade eigentlich, dass wir nicht mehr so schnell zu sehen bekommen, wie Rayo mit zwei Mann weniger offensiven Fußball im Estadio Santiago Bernabeu spielt.