Gefallene Großklubs: FC Valencia

Fiasko

Kampfversammlungen im Stadion, Transfergespräche ohne Sportdirektor und ein Abschied im Pfeifkonzert – wie der FC Valencia zum Chaosclub wurde.

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>>> Vor einigen Jahren noch dicke Fische auf Europas Märkten, mittlerweile für Appel und Ei zu haben: In Zusammenarbeit mit unseren Freunden von Cavanis Friseur stellen wir euch gefallene Großklubs vor. Heute: Teil 1 - der FC Valencia.

Die großen Zeiten der Fledermäuse liegen noch gar nicht so lange zurück. Noch um die Jahrtausendwende zählte man zur absoluten Elite Europas. Damals, als die Namen Albelda und Baraja jedem gegnerischen Spielmacher die Zähne klappern ließen und vorne Spieler wie Vicente, Mendieta oder der Argentinier Aimar zauberten, stand man zwei Mal im Finale der Champions League und holte zwei spanische Meisterschaften. Der Titel 2004 war zugleich das bisher letzte Mal, dass der spanische Meister nicht aus Madrid oder Barcelona kam. Ebenso zum Star wurde durch diese Erfolge Coach Rafa Benítez, der sich allerdings nach Meisterschaft und UEFA-Cup Sieg 2004 aufgrund interner Querelen verabschiedete.

Als man in den kommenden Jahren hinter den nun gestiegenen Erwartungen zurück blieb, wurde kräftig ins Team investiert. Mit dem Wissen um den Status und Umsatz des Vereins ging man damit ein eigentlich kalkulierbares Risiko ein. Bis Anfang 2009, als man plötzlich vor der Pleite stand. Was war passiert?

Auslöser: die Immobilienkrise

Das traditionsreiche, aber bereits über 80 Jahre alte Mestalla, sollte durch einen Neubau ersetzt werden. Die Arbeiten am Nou Mestalla wurden 2007 etwas abseits des Zentrums, im Stadtteil Benicaláp begonnen. Als Sicherheit sollte das Gelände des alten Mestalla herhalten, welches nach dem Umzug abgerissen und als Baugrundstück verkauft werden sollte. Mit seiner zentralen Lage direkt am beliebten Boulevard Blasco Ibañez galt das Gelände als Goldgrube. Doch dann begann im Jahr 2008 die spanische Immobilienkrise und traf die Region Valencia besonders hart. Die Grundstückpreise fielen ins Bodenlose, die Deckung für die Stadionkredite ging verloren, die Kreditwürdigkeit wurde neu berechnet und plötzlich wurde klar: Der Verein befand sich in einer argen Schieflage.

Es dauerte eine Weile, bis sich die finanzielle Krise auch auf das Sportliche niederschlug. Während man in den kommenden Jahren finanziell ums Überleben rang und immer wieder Leistungsträger abgeben musste, fuhr man nicht zuletzt dank des eigenen Nachwuchses zuweilen äußerst respektable Ergebnisse ein. Doch es half nichts: 2013 musste man sich eingestehen, dass die Sanierungspolitik gescheitert war und man sich aus eigener Kraft nicht retten konnte. Nach dem Rücktritt von Manuel Llorente wurde mit Amadeo Salvo ein neuer Präsident gewählt. Sein Auftrag war klar: einen Investor an Land ziehen.

Banken drängten auf einen Investor

Doch das gestaltete sich als nicht so einfach. Der Verein wurde in der Zwischenzeit von Bürgschaften der valencianischen Landesregierung gestützt, deren Vertreter mit am Verhandlungstisch saßen, gleichzeitig drängten die Banken auf einen Investor, der die baldige Übernahme der Kredite garantierte. Nach Monaten teils chaotischer Parallelverhandlungen berief Präsident Salvo für den 24.Januar 2014 eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein.

Vor 8000 Anhängern im Estadio Mestalla schoss er gegen die Gläubiger, peitschte die Zuseher ein und brachte sie hinter sich: Seine Anträge wurden geschlossen unterstützt und er selbst unter Standing Ovations verabschiedet. Diese Demonstration zeigte Wirkung: In der Folge konzentrierten sich die Verhandlungen auf Salvos Favoriten Peter Lim, vier Monate später wurde der Verkauf unter Dach und Fach gebracht.

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