Fußballklubs gaben 3,62 Milliarden Euro für neue Spieler aus

Zahlen, bitte!

Im vergangenen Jahr gaben die Fußballvereine weltweit 3,62 Milliarden Euro für neue Spieler aus. In Worten: Dreikommazweiundsechzigmilliarden Euro! Wahnsinn? Nicht wirklich.

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Im vergangenen Jahr gaben Fußballvereine weltweit 3,62 Milliarden Euro für neue Spieler aus. Machen wir also das, was man in so einer Situation immer ganz gerne macht: Empören wir uns ein bisschen. Schreiben wir: Das gibt’s doch gar nicht! Schreiben wir die Zahl in Worte: Dreikommazweiundsechzig Milliarden Euro! Schreiben wir: Irre!
 
Wenn solche Summen in die Nachrichtenkanäle der Fußballwelt geschossen werden, ist die Schnappatmung stets groß. Jüngere Fußballfans müssen dann erst einmal ihren Mathelehrer fragen, wie viele Nullen an so einer Zahl überhaupt dranhängen, älteren Fans wird indes ein bisschen schwindelig, wenn sie all diese Nullen vor sich sehen. Wie verdorben ist der Fußball?

Der Mann, der so teuer wie eine Tennishalle war
 
Tatsächlich wurde über Ablösesummen schon immer gestritten. Zuletzt bei Gareth Bale oder Cristiano Ronaldo, die Real Madrid jeweils über 90 Millionen Euro kosteten. Aber auch lange davor schon hob man gerne mal den Zeigefinger, wenn mit astronomischen Summen um sich geschmissen wurde wie mit Konfetti.

Zum Beispiel 1990/91, als  die Transferausgaben aller Bundesligavereine erstmals die Zehn-Millionen-Mark-Grenze überschritten. Oha, da war was los. Die »Zeit« schrieb von der »Ware Mensch« und der Spiegel verglich den Transfermarkt mit »Monopoly«. 1991 echauffierte sich hingegen die »Bild« ein wenig und erklärte, dass Oliver Kreuzer, der für fünf Millionen Mark vom KSC zum FC Bayern gewecshelt war, »so teuer wie eine Tennishalle« sei.

»Wo soll das alles nur enden?«
 
Oder 1973, als Johan Cruyff für 950.000 Mark von Ajax Amsterdam zum FC Barcelona wechselte und so zum teuersten Spieler der Welt wurde. Oder 1961, als Uwe Seeler eine Million Mark Handgeld von Inter Mailand angeboten bekam. »Wahnsinn«, japste die Hamburger Presse. 500.000 Euro!, rechnen wir nun und vergessen kurz mal den ganzen Inflationsrattenschwanz. Fünfhunderttausend Euro! Dafür bekommt man heute gerade mal einen Ersatztorhüter für die zweite moldawische Liga. Schließlich war da auch der Bundesligarekord-Transfer von Tony Woodcock, der 1979 für 2,5 Millionen Mark zum 1. FC Köln wechselte. Der »Spiegel« fragte entsetzt: »Wo soll das alles nur enden?«

Es endet nie. Das ist sicher. Und auf 3,62 Milliarden Euro werden wir in ein paar Jahren ebenso semi-interessiert blicken und krude Vergleiche zu den frühen 2000er Jahren ziehen. Oder auf andere Dinge verweisen, die ebenfalls mal 3,62 Milliarden Euro gekostet haben, um der ganzen Sache das Abstrakte zu nehmen.