Fußball verstehen (2): Über den Einfluss von Glück im Fußball

Flüchtiges Glück

Vergangene Saison gewann Schalke viele enge Spiele, in dieser Saison fehlt der Mannschaft bisher oft das Glück. Denn eigentlich hätte das Team in der Liga längst punkten müssen.

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Die letzte Bundesligasaison beendete der FC Schalke 04 als Vizemeister, diese begann die Mannschaft von Domenico Tedesco mit drei Niederlagen. Dass sich anschließend ein Gefühl tiefer Krise breit gemacht hat und es viel Kritik an Spielern und Trainer setzte, könnte man als vereinstypische Folklore verspotten. Doch es gibt einen Grund, aus dem man die königsblauen Sorgen durchaus ernst nehmen könnte, denn Glück im Fußball ist nicht nachhaltig. Schalke hat in der erfolgreichen Vorsaison dank einer sehr defensiven Spielweise die zweitwenigsten Gegentore nach dem FC Bayern kassiert und viele enge Spiele gewonnen. Der höchste Sieg war ein 3:1.

Interessant wird das, wenn man sich den Wert der Expected Goals anschaut. Dabei handelt es sich um eine Bemessung der Qualität der Torchancen. Wie das funktioniert, ist am einfachsten am Beispiel von Elfmetern zu verstehen, die zu 75 Prozent verwandelt werden. Das entspräche 0,75 Expected Goals. Jedem Torabschluss kann man einen solchen Wert beimessen, und bei Schalke zeigte sich ein bemerkenswertes Ergebnis.

Chancen für 4,88 Punkte

In der Vorsaison lag ihr Wert der Expected Goals 6,17 unter der Zahl der wirklich erzielten Treffer, wie die Statistiker von understat.com berechneten. Bei den Gegentoren lag er hingegen 2,42 darüber. Schalke schoss also mehr Treffer als anhand der Qualität der Chancen zu erwarten gewesen wäre und bekam zugleich weniger Gegentore. Weil Schalkes Spiele oft so eng waren, holte Schalke dadurch 11 Punkte mehr als über die Expected Points wahrscheinlich gewesen wäre, der Höchstwert der Liga.

Fußball ist ein Spiel und »Spielglück« wird gerade zum Modebegriff, weil der Zufall im Fußball eine wichtige und bislang zumeist unterschätzte Rolle spielt. Der Wahrscheinlichkeit folgend wäre Schalke letzte Saison nur Tabellensechster geworden. (Und der Hamburger SV wäre nicht abgestiegen, sondern Wolfsburg, aber das ist eine andere Geschichte.) Aber man kann sich nicht darauf verlassen, dass es so weitergeht.

Weil Fans dafür letztlich ein gutes Gefühl haben, sind die Schalker gerade etwas nervös. In den ersten drei Spielen dieser Saison hat ihre Mannschaft nämlich 2,19 Tore weniger geschossen als zu erwarten gewesen wäre und 2,72 mehr kassiert. Laut Wahrscheinlichkeitsrechnung hätte sie aus diesen Partien 4,88 Punkte geholt, es steht dort aber die Null. Das Fußballglück ist flatterhaft. So hat Schalke aber in der Vorsaison viel Lob dafür bekommen, Glück zu haben. Und nun setzt es Schelte dafür, dass es erst einmal entfleucht ist.