Fußball statt Menschenhandel: das Projekt »Mighty Girls«

Möge die Macht mit euch sein

Ein Fußballprojekt in Kambodscha bewahrt bedürftige Mädchen vor Menschenhandel und Zwangsprostitution. Zu Besuch beim Spiel der »Mighty Girls«.

Geschenke der Hoffnung/Sophie Nagel

Nipha Chheun sitzt auf der Tribüne im Kreuzberger Willy-Kressmann-Stadion und fiebert ihr Team an. Mit ihrem luftigen weißen Trikot und dem Schweißband, das ihr langes Haar aus der Stirn hält, passt sie hierher. Aber irgendwie auch nicht. Die zierliche 22-Jährige sieht nicht aus wie andere Mädchen, die hier Tag für Tag dem Ball hinterherjagen oder in der Coaching-Zone auf und ab laufen. Vielleicht ist es ihr tiefschwarzes Haar, vielleicht ist es der Ausdruck in ihren dunklen Augen. Merkmale, die verraten, dass ihre Teilnahme am »Discover Football«-Festival an diesem ersten Mittwoch im Juli eine Ausnahme ist. Eine absolute Besonderheit für die junge Frau, die sonst kein Spiel in einem angelegten Stadion auf grünem Rasen gewohnt ist ist. Nipha kommt aus Kambodscha. Seit neun Monaten trainiert sie das Team der »Mighty Girls«.

Gesetz ist hier nur ein Stück Papier

Das ist ein kleines Wunder, denn andere Mädchen aus ihrem Dorf wurden im Alter von 15 Jahren verheiratet oder von der eigenen Familie zum Arbeiten nach Thailand verkauft. Bildung oder gar ein gesichertes Einkommen für die Zukunft scheinen Lichtjahre entfernt. Besonders in ländlichen Gegenden geht nur ein Bruchteil aller Kinder zur Schule, obwohl die Verfassung theoretisch allen Bürgern eine Grundausbildung zusichert. Das Gesetz ist jedoch leider selten mehr als ein Stück Papier. So sind Menschenhandel und Zwangsprostitution keine Randerscheinung bei den jungen Mädchen, die oftmals nicht einmal einen stabilen Familienhintergrund haben.

Nipha erzählt von ihrer Welt voller Gewalt, Sorge um die Familie und schlaflosen Nächten auf staubigen Straßen. Eine Welt, die schwer vorstellbar ist, wenn man in einem kleinen Stadion in Kreuzberg sitzt und das behütete Zuhause nur einige Stationen mit der U-Bahn entfernt ist. Nipha erzählt von ihrer Vergangenheit, als gehöre sie hierher: »Es gab keine Arbeit und wir hatten fast nie genug zu essen. Dann begann mein Vater, meine Mutter zu schlagen. Das war schrecklich für meine Geschwister und mich, vor allem, weil wir lange Zeit nicht einmal in die Schule flüchten konnten.«

Mit zwölf Jahren haute sie von zu Hause ab

Als Nipha zwölf Jahre alt war, hielt sie es zu Hause nicht mehr aus. Sie flehte ihre Mutter an, mit ihrer jüngeren Schwester zum Arbeiten nach Thailand gehen zu dürfen. Dort bekamen sie zunächst Arbeit auf einer Farm gegen Bezahlung in Form eines Daches über dem Kopf und dürftiger Mahlzeiten. Später schlugen sie sich eine Weile als Näherinnen in einer Kleiderfabrik durch. Während sich ihre Schwester mit ihren kleinen flinken Händen gut zurechtfand, bereitete Nipha das Nähen Probleme. Ihre Vorgesetzte bemängelte ihr fehlendes Talent und schlug sie regelmäßig.