Fußball im Pott

Das Rauchverbot sprengt fröhliche Runden

Freilich wird an diesem Abend nicht nur über Fußball geredet. Manuel hat sein Auto »auf Grün umgerüstet«, also: für die Umweltzone fitgemacht. Der intendierte Nebeneffekt eines Steuersparmodells hat leider nicht funktioniert. »Ich hab 1200 Euro für die Umrüstung bezahlt und weißte, was ich an Steuern spare?

Ein Euro! Im Jahr!« Das Mitleid der Kollegen hält sich in Grenzen, was mit dem Auto an sich zusammenhängt. »BMW X5, nun sach et doch ma!«, raunzt Batto. »Als Schalke-Fan, also ehrlich! « Manuel kontert: »Ich bin halt Junggeselle, ich muss keinen untersorgen.« Gekauft hat er den Wagen vom Chef, »neu kost der 68 000«. »Der hat den für zwölf geschossen«, meint Batto versöhnlich. »da hätt ich'n natürlich auch genommen!

Sitze aus reinem Leder, Sitzheizung vorne, Sitzheizung hinten ...« Zurück zum Eigentlichen. Dass Fußball in der Kanne ein großes Thema ist, sieht man am großen Bildschirm im Gastraum ebenso wie an den Schals aus aller Welt über der Theke, denen erheblich mehr Liebe und Achtung entgegengebracht werden als den traurigen Pflanzen auf der Fensterbank. Es ist Freitagabend und das Lokal gut gefüllt. Vielen Eckkneipen geht es schlechter als der Kanne, viele haben bereits schlappgemacht. »So eine Tour von einer Eckkneipe inne nächste, datt geht nich mehr«, sagt Manuel. »Da brauchste heut schon ein Taxi, um in die nächste zu kommen.« Das Problem hat viele Facetten:

Den Jungen sind die Eckkneipen zu piefig, Kartenspiel und Knobelbecher reichen als Unterhaltungsoptionen nicht aus. Das Rauchverbot sprengt fröhliche Runden, weil immer einer nach draußen rennt. Und das Bezahlfernsehen ist zu teuer geworden, als dass die Lokale noch wirtschaftlich arbeiten könnten.

Das ist schade, denn nirgendwo sonst sind der Ruhrpott und sein Fußball so bei sich wie in diesen Nachbarschaftskaschemmen, in die man »dreimal lang hinschlagen« kann, wie es in Westfalen heißt. Früher kamen sogar die Spieler öfter auf ein Bier vorbei, doch diese Zeiten sind passé. Aber wozu klagen? »Eine neue Rutsche, bitte!« Noch ist der Zapfhahn nicht zu.