Fußball für Flüchtlinge in Berlin

Ohne langfristige Aufenthaltsgenehmigung kein Spielerpass

Vor zwei Jahren gründeten Carolin Gaffron und Arne Sprengel das Projekt mithilfe der FSV Hansa 07, um Flüchtlingen das regelmäßige Fußballspielen zu ermöglichen. Man möchte für das schwere und mit Vorurteilen überfrachtete Thema sensibilisieren, aber auch ein Unterstützungsnetzwerk für die Flüchtlinge schaffen. Hansa 07 ist ein Kreuzberger Urgestein und liegt mitten im Brennpunkt der Flüchtlingsproblematik, unweit der Gerhard-Hauptmann-Schule und dem Oranienplatz. Die beiden Initiatoren leiten das Training selbst. »Wir hatten schon vorher mit dem Verein zu tun, und dann dachten wir uns, wenn wir schon an der Quelle sind, dann lassen wir doch Leute spielen, die sonst in dieser Form nicht die Möglichkeit haben.«

Es dauert, bis alle da sind und Carolin Gaffron mit dem Training beginnen kann. Die Jungen und Männer sprechen wild durcheinander: arabisch, französisch und deutsch. Es wird gelacht und rumgealbert, wie bei einer Schulklasse, die endlich mal ein bisschen Ablenkung von ihrem Alltag bekommt. Nur dass der Alltag nicht durch die Langeweile im Unterricht bestimmt wird, sondern durch die Angst, dass man morgen sein vorübergehendes Zuhause wieder verlassen muss.

Abdullah zeigt nur grinsend in Richtung des gegnerischen Tores

Obwohl sich die Jungs auch eine gewisse Struktur im Training wünschen, geht die Trainerin heute direkt zum internen Abschlusspiel über. Beschwerden kommen nicht auf. Wenn nur ein Übungsleiter da ist, mache es am meisten Sinn, die Jungs einfach spielen zu lassen. An der Seitenlinie stehen noch verletzte Spieler und Begleitpersonen der Flüchtlinge, um die sich Carolin Gaffron kümmern muss. Sie wirft den Ball auf den durchnässten Kunstrasen und das Spiel geht los. Auf die Frage der Trainerin nach seiner Position zeigt Abdullah nur grinsend mit dem Finger in Richtung des gegnerischen Tores. So genau nehmen es die 23 Jungen und Männer bei ihrem Trainingsspiel mit der Positionstreue nicht. 

Einige Spieler schafften durch »Champions ohne Grenzen« den Sprung zu einem Verein, der auch im Ligabetrieb aktiv ist, wie zum Beispiel Hansa 07. Anderen wurde dieser Schritt verwehrt, weil ihr Status dies nicht zulässt. Die Strukturen der Fußballverbände machen eine Partizipation der Flüchtlinge am regulären Vereinsbetrieb so gut wie unmöglich. Das ist auch der Grund, warum die Überlegungen, die wöchentliche Trainingsgruppe der »Champions ohne Grenzen« als Mannschaft für den Ligabetrieb anzumelden, vorerst auf Eis gelegt wurden. Der Aufwand des damit verbundenen Papierkrieges stünde in keinem Verhältnis zu dem Ertrag, sagt Carolin Gaffron. Integration ist beim DFB ein wichtiges Thema – die Realität sieht häufig anders aus. Dadurch müssen sich die meisten der Flüchtlinge mit den Trainings- und Freundschaftsspielen zufrieden geben.