Fußball in Burundi, Ruanda und Uganda

»My nationality is London«

11FREUNDE-Autor Marco Weber war einen Monat lang in Uganda, Burundi und Ruanda unterwegs. Länder, in denen Fußball noch ein bisschen mehr bedeutet als irgendwo anders. Hier bringt sogar die Bundesliga eine Tanzfläche zur Ruhe. Fußball in Burundi, Ruanda und UgandaMarco Weber
Burundi, Ruanda und Uganda: Das klingt nach Armut, Völkermord, Folter. Und nicht unbedingt nach Fußball. Burundi ist auf der Fußballweltkarte praktisch nicht vorhanden, Ruanda kämpft immer noch mit den verheerenden Folgen des Völkermords 1994 und Uganda hatte seine beste Zeit, als es den Bewohnern des Landes am schlechtesten ging. 1978, während der Schreckensherrschaft von Idi Amin, wurde das Land Zweiter beim Afrika-Cup. Das war aber auch gleichzeitig die letzte Teilnahme des Landes an Afrikas wichtigstem Fußballturnier. Ruanda schaffte immerhin 2004 die letzte Qualifikation, während Burundi noch nicht einmal teilnehmen konnte. Von der Teilnahme an einer Weltmeisterschaft in ferner Zukunft wagt man gar nicht erst zu träumen.

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Der Leidenschaft und Begeisterung für den Fußball tut das allerdings keinen Abbruch. Die Bevölkerung atmet Fußball, das Interesse an ausländischen Topligen ist riesengroß. Egal ob in der Disko, im Supermarkt oder im Nationalpark, überall schauen die Menschen Fußball. Die Namen der Topclubs bekommt man als ausländischer Besucher ständig aufgezählt und wenn man preisgibt, dass man aus Deutschland kommt, heißt es: »German? Ah, Bayern Munich!«. Die Busse tragen die Logos der Spitzenclubs und  die Gesichter der Topstars, die Kinder deren Trikots. Von Manchester United bis zum 1. Suhler SV ist tatsächlich alles zu finden.

Fachkenntnis? Unbedingt von Vorteil

Wir hatten besonders großes Glück. Während unserer Reise waren wir nicht nur Zeugen des Spiels des Jahres in Ruanda (APR Kigali traf in der afrikanischen Champions League auf Titelverteidiger TP Mazembe), wir konnten auch die entscheidende Phase der europäischen Champions League miterleben. Fachkenntnis? Unbedingt von Vorteil, wenn man mit den Menschen in Kontakt kommen will. Wer in Afrika Fußball schaut, der kennt auch alle Spieler. Bis zu 100 Leuten sehen sich Spiele in Kneipen an, die normalerweise maximal 20 Gäste beherbergen können. Noch skurriler ist das Verhältnis zwischen Besucheranzahl und Größe des Fernsehers – kleine Mattscheiben, die man in Deutschland nicht mal seiner halbblinden Oma als Zweitfernseher vermachen würde.

Die Sympathien sind in allen drei Ländern eindeutig verteilt. »Bist du für Arsenal oder für ManU?«, lautet überall die erste Frage. Das wohl beste Spiel der Saison, Arsenal gegen Barca, verfolgten wir mit einem Weltreisenden aus Barcelona. Der hatte große Probleme, den Ruandern zu erklären, wie man denn bei diesem Spiel zu den Katalanen halten könne. Als er auf seine Nationalität verwies, setzte es gleich verbales Backenfutter: »And my nationality is London«.

Fast wäre es zu Tumulten gekommen, als sich die anwesenden Manchester-Fans allzu offensichtlich über das Ausscheiden der »Gunners« freuten. Klare Sache, dass der Arsenal-Anhang im folgenden Spiel United gegen den FC Bayern geschlossen den deutschen Rekordmeister aus München unterstützte. Und die bedingungslose Hingabe für deutsche Vereine ist, jedenfalls in Uganda, kein Einzelfall. Die deutschen Reisenden staunten jedenfalls nicht schlecht, als an einem Freitagabend um 22 Uhr in einer Discotehk in der Hauptstadt Kampala für 90 Minuten die Musik ausgeschaltet wurde. Es gab wichtigeres: Auf der Leinwand übertrugen die Veranstalter das Freitagspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt.