Fußball auf den Färöern

Der Triumph gegen Österreich

Da es zu jener Zeit auf den Färöern nur Kunstrasenplätze gab, die nicht den UEFA-Auflagen für offizielle Länderspiele entsprachen, fand das Spiel im 2000 Kilometer entfernten schwedischen Landskrona statt. Gegen Österreich verirrten sich 1250 Besucher in das Landskrona IP. Doch vor den Fernsehgeräten auf den Inseln saßen 48.000 Menschen, und als Schiedsrichter Egil Nervik aus Norwegen das Spiel abpfiff, liefen sie auf die Straßen und schrien und warfen ihre Hände in die Luft. Sie feierten mit Leichtbier und Cola, sie gingen zwei Tage nicht zur Arbeit, nicht zur Schule, nicht zu Uni. Es tauchten Reporter und Trainer auf und plötzlich waren die Inseln voll. Alle suchten nach dem neuen Supertalent, die Superfans, die Supermenschen. Torkil Nielsen bekam ein Angebot aus Norwegen. Doch er lehnte ab. Seine Frau hatte gerade ein Kind bekommen.

Ein neues Stadion mit Naturrasen

In den folgenden Jahren brach der Hype um die Wunderkicker von 1990 nie richtig ab. Es gab Männer, die sich auf beschwerliche Reisen machten, um das Nationalteam auf Auswärtsspielen zu begleiten. Zum Beispiel den 70-jährigen Andrew Thomssen, der einst als einziger Färöer-Fan mit zu einem Qualifikationsspiel nach Moskau flog. Und selbst deutsche Fußballfans wie Martin Schürmann aus dem Sauerland bekannten sich plötzlich zu ihrem Färöer-Fantum und reisten mit färöischen Klubs wie KI Klakksvik zu UEFA-Pokal-Spielen nach Ungarn.
 
Fußball wurde groß. Größer als die Schafherden, größer als Walfang, größer als alles, was es zuvor auf den Färöern gab. Schon nach ihrer Heimkehr aus Schweden hatten sich Funktionäre eines Fußballvereins aus Toftir bei den Männer des färöischen Verbands gemeldet und angeboten, ein neues, ein richtiges Stadion zu errichten. Eines mit Naturrasen, so wie es die Uefa vorsah. Man wollte dafür 200.000 Tonnen Gestein aus einem Felsen wegsprengen. In der Euphorie sagten die Männer zu und die Sprengmeister schritten zur Tat.

Das neue Stadion bot 5000 Zuschauern Platz. Und hier konnten der gemeine Fußballfan sogar endlich richtig Fan sein, er konnte richtiges Bier trinken, denn 1992 endete die Prohibitionszeit. Trotzdem gefiel den Menschen das Stadion nicht. Es war zu weit entfernt von der Hauptstadt, zu windig, zu kalt. Die Zuschauer blieben fern und schauten sich die Spiele lieber im TV an. In der Folge entfachte ein Streit zwischen den Sendern und dem Fußballverband. Am Ende wurde es dem TV untersagt, Spiele zu übertragen.

Deutschlands Beinahe-Blamage 2003 
 
Heute steht das größte Stadion in der Hauptstadt Torshavn. Es wurde im Jahr 2000 eröffnet und fasst 6000 Zuschauer. Andere Plätze, wie der von Vagur auf der Insel Suouroy, haben eine Kapazität von 500 Plätzen. Wenn der Wind hier besonders stark über das Feld peitscht, darf bei Elfmetern ein dritter Spieler hinzugezogen werden. Dieser hält den Ball fest, damit er nicht wegweht.

Die Färöer haben seit dem legendären Sieg gegen Österreich noch elf weitere WM- oder EM.Qualifikationsspiele gewonnen. Die Gegner hießen Luxemburg, San Marino oder Estland. Einige Spieler schafften den Sprung in die großen Profiligen. Joan Simun Edmundsson aus Toftir zum Beispiel. Er kam bei Newcastle United allerdings nie über eine Reservistenrolle hinaus. Anders der aktuelle Torhüter Gunnar Nielsen, der 2011 ein Spiel für Manchester City in der Premier League machte.

Vor der aktuellen WM-Qualifikationsrunde trafen die Färöer zweimal schon auf Deutschland. »Man darf sie nicht unterschätzen, auch wenn der Torwart mit einer Pudelmütze aufläuft«, warnte Josef Hickersberger Rudi Völler damals vor den Qualifikationsspielen zur EM 2004. Hickersberger wusste, wovon er sprach. Er war am 12. September 1990 Trainer der österreichischen Nationalelf gewesen. Doch die deutschen Spieler hörten nicht hin und so schrammten sie nur knapp an einer Blamage vorbei. In Hannover gewann die DFB-Elf mühsam mit 2:1, in Torshavn stand es bis zu 89. Minute 0:0, ehe Miroslav Klose und Fredi Bobic zum deutschen Sieg trafen. Von diesem Spiel gibt es eine Gedenk-Briefmarke auf der Insel.
 
Vom Spiel gegen Österreich erzählen die Männer am Hafen noch heute. Jens Martin Knudsen ist nach wie vor ihr Held. Er wird gegen Deutschland wieder dabeisein: als Torwarttrianer der Nationalelf. Der andere Held, Torkil Nielsen, stieg kurz nach dem großen Triumph mit seinem Klub SIF Sandavagur in die zweite färöische Liga ab. Dort wurde er Torschützenkönig in der Zweiten Liga. Heute interessiert er sich für Schach. Er belegt momentan Platz 16 der färöischen Landesrangliste.