Fußball

Ein Bau für die Zukunft

In ihrer dritten Bundesligasaison stehen die Mainzer am Scheideweg. Sportlich hat sich der FSV im Oberhaus etabliert, wirtschaftlich hingegen besteht noch Handlungsbedarf. Um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu sein, und um den wachsenden Ansprüchen der Fans Rechnung zu tragen, haben Stadt, Land und Vereinsführung beschlossen, ein neues Stadion zu bauen. Bevor die Arbeiten beginnen, gilt es aber, ein paar strittige Details zu klären. Imago Der Stadionneubau ist vielen Mainzern ein großer Herzenswunsch. Die Einsicht, dass die Mannschaft ohne höhere Zuschauereinnahmen auf Dauer nicht konkurrenzfähig bleiben kann, hat sich hier bereits durchgesetzt. Die Spielklasse halten, ist zwar nach wie vor das vorrangige Ziel am Bruchweg, aber im mittlerweile dritten Bundesligajahr steigen die Ansprüche an die sportliche Führung – das gehört wie selbstverständlich zum Geschäft. Und weil sich niemand später den Vorwurf gefallen lassen will, nicht genug dafür getan zu haben zu haben, nimmt der Herzenswunsch immer konkretere Formen an. Nun haben der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel dem Klub Unterstützung beim Stadionneubau zugesagt. „Es geht um eine gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten mit dem Ziel, Mainz 05 die Rahmenbedingungen für einen dauerhaften sportlichen Erfolg zu schaffen“, sagte Beck nach dem 90-minütigen Treffen mit der Klubführung am gestrigen Dienstag.

Auch Beck, übrigens ein sehr gern gesehener Gast auf dem Betztenberg in Kaiserslautern, will sich nichts Schlechtes nachsagen lassen. Als Landesvater steht er doch in der Pflicht, beide Bundesligisten gleichermaßen lieb zu haben. Folglich sagte er: „Das Land ist gemeinsam mit der Stadt bereit, seinen Beitrag zu diesem Projekt zu leisten.“ So wie einst der FCK wird vielleicht schon bald der FSV aus der Fußballbegeisterung des SPD-Granden Profit schlagen. Ein Haken bleibt jedoch: Denn die Vorraussetzung für die erfolgreiche Finanzierung des Projekts ist die Wahl des Standortes für den Neubau. Zur Debatte stehen das Gelände hinter der Haupttribüne des aktuellen Stadions (auf dem sich aber im Moment noch eine Eishalle und das Vereinsheim des Post SV befinden), eine Baufläche im Gewerbegebiet Mainz-Hechtsheim (das allerdings von Vereinsseite abgelehnt wird) und ein Standort im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel. Ein Stadion jenseits der Landesgrenze, also in der hessischen Landeshauptstadt, ist für Fan- und Stadtvertreter aus dem rheinland-pfälzischen Mainz nahezu undenkbar.

Gemeinsam sind sie stark

Die Gesprächspartner konnten sich zu guter Letzt auf eine zügige Umsetzung des Stadionprojekts einigen und haben einen entsprechend engen Zeitplan aufgestellt. (Damit ist der zunächst noch erwägte Umbau des Bruchwegstadions endgültig vom Tisch.) Bis zum nächsten Treffen Mitte November sollen Verein und Stadt daher die strittige Standortfrage geklärt haben. Parallel dazu wird unter Federführung des Landes eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich gemeinsam mit der Stadt Mainz und dem Verein darauf verständigt hat, konsensfähige Unterlagen zum Finanzierungskonzept zu erarbeiten. Der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel, der nach eigener Auskunft im Aufstiegsjahr so unglaublich stolz auf die 05er war, will „offene Fragen innerhalb der folgenden drei Monate beantworten“. Abzuwarten – weil nicht von minderer Bedeutung – bleibt das Ergebnissen eines Lärm- und Umweltgutachtens, mit dem im September dieses Jahres gerechnet wird; bei einem positiven Bescheid könnte das Bebauungsplanverfahren im Sommer 2007 abgeschlossen sein.

Das neue Stadion soll nach Plänen der Klubführung etwa 35.000 Zuschauer fassen und 10.000 umrüstbare Stehplätze erhalten. Die Umbaukosten werden vorsichtig auf 42 Millionen Euro taxiert. Erfahrungsgemäß klettern die Zahlen noch im Laufe der Arbeiten nach oben. Preiskorrekturen und andere mögliche Probleme am Bau werden die Mainzer indes nicht schrecken und von ihrem Weg abbringen. Der Neubau ist freilich ein konsequenter Schritt nach vorne. Nachdem das alte Stadion am Mainzer Bruchweg vor einigen Jahren auf Bundesliga getrimmt wurde, erkannten Fans, Verein und Politik kollektiv die Notwendigkeit, wirtschaftlich nachzulegen, um den Schmähungen mancher Gäste mit Entschlossenheit zu begegnen. Alles sähe improvisiert und billig aus, lautet eine beliebte Formel. Eine andere besagt, die Stadt Mainz sei ein Hort bürokratischer Wasserköpfe, die sich bei Entscheidungsprozessen gerne etwas Zeit lassen. Den Herzenswunsch des FSV werden sie hoffentlich nicht verschleppen.

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